Wer kennt sie nicht, die Fabel vom Frosch und dem Skorpion? Der Skorpion will ans andere Ufer, kann aber nicht schwimmen. Er bittet den Frosch, ihm Geleit zu geben. Doch der fragt, was ist, wenn du mich stichst? Dann gehe er doch mit ihm unter, beruhigt ihn der Skorpion. Der vertrauensselige Frosch nimmt also den Skorpion auf seinen Rücken und in der Mitte des Flusses sticht der zu. Auf die Frage des sterbenden Frosches, weshalb er das getan habe, antwortet der Skorpion, er könne eben nicht anders.
In Teil drei der außergewöhnlichen Reihe Im Schatten der Angst greifen die Drehbuchautorin Marie-Theres Thill und Drechbuchautor Nils-Morten Osburg diese Fabel auf und weben einen Thriller darum, der vor Spannung nur so knistert. Der Film beginnt mit einer Geiselnahme. Der durchtrainierte Täter, der einen überdimensionierten Skorpion auf den Rücken tätowiert hat, bringt brutal den vermeintlichen Lover seiner Freundin um und bedroht nun diese. Die Geisel wird befreit und der Täter wandert hinter Gitter. Acht Jahre seiner Gefangenschaft werden nun übersprungen, die forensische Psychiaterin Dr. Karla Eckhardt (Julia Koschitz) befürwortet in einem Gutachten ausdrücklich Lockerungsmaßnahmen für Anton Lisky (Stefan Gorski), da sie davon überzeugt ist, er habe keine schizophrenen Schübe mehr. Ihr Kollege Dr. Kressmann (Jörg Schüttauf) sieht Lisky ebenfalls als geläutert.
Kommissarin Irene Radek (eine grandiose Susi Stach!), die Lisky damals verhaftet hat, glaubt allerdings nicht an seinen Wandel während der Therapie. Lisky arbeitet nun zunächst unter Aufsicht in einer Gärtnerei, wo ihn sein Kollege Leon Wimmer (Anton Noori) massiv provoziert. Bald liegt Wimmer, der sich sehr zu seiner weiblichen Kundschaft hingezogen fühlte, erschlagen im Glashaus der Gärtnerei. Der Gärtner ist also nicht der Mörder, sondern das Opfer. Lisky, der verschwunden ist, gilt der Kommissarin Radek als tatverdächtig.
Die Psychiaterin ist jedoch von seiner Unschuld überzeugt. Lisky taucht in ihrer Wohnung auf und sie wirbt um sein Vertrauen. Sie glaubt daran, er sei nun näher am Frosch aus der Fabel als am Skorpion. Im weiteren Verlauf holt sie ihren psychiatrischen Kollegen zu Hilfe..
Am Ende kommt der neue Nachbar aus der Wohnung, die unter der von Karla liegt, erneut ins Spiel. Bodo Rexin (Julian Loidl), Autor von Cosy Crime, deutet die Klopfgeräusche über ihm schon aus rein beruflichen Gründen richtig und eilt Karla entschlossen zu Hilfe.
Die Dreharbeiten fanden in Wien statt – gänzlich ohne Wiener Schmäh, dafür mit tollen Aufnahmen auch von der sich im Wasser spiegelnden UNO-City. Dichte, intensive Bilder und ein großartiges Spiel aller Beteiligten zeichnen diesen Film aus. Wobei die Kommissarin mit ihrem ruppigen Charme eine Paraderolle hat. Stefan Gorski überzeugt sowohl als durchgedrehter Täter als auch als geläuterter Mensch, der eine neue Rolle im Leben sucht.
„Im Schatten der Angst – Der Skorpion“ ist eine Koproduktion des ORF mit Mona Film und Tivoli Film Produktion und dem ZDF. Mit Julia Koschitz, Susi Stach, Jörg Schüttauf, Stefan Gorski, Oliver Rosskopf, Margarethe Tiesel, Sylvie Rohrer, Demet Gül, Anton Noori, Julian Loidl u. a.
Zur Premiere des Films waren auf die Parkinsel angereist und nahmen nach der Vorführung im ausverkauften Gesprächszelt mit Moderator Pit Rampelt Platz: Drehbuchautor Nils Morten-Osburg, Drehbuchautorin Marie-Therese Thill, Producerin Gudula von Eysmondt, Regisseur Umut Dağ und Schauspieler Stefan Gorski.
Gudula von Eysmondt erzählte, sie als Produzenten hätten unbedingt wieder Umut Dağ als Regisseur haben wollen. Stefan Gorski bestätigte, er vertraue dem Regisseur. Eine Szene sei nicht fertig, bevor der nicht sage, ich glaube dir [deine Rolle]. Er selbst guckt gerne Filme, in denen die Emotionen wahrhaftig sind. Zu seinem beeindruckenden Tattoo auf dem Rücken befragt, erzählt er, die Eingangsszene sei am Ende gedreht worden. Was auf der Hand liegt, weil seine Haare zum Teil abrasiert waren. Das Tattoo habe ein Künstler gefertigt und es hielt eine ganze Woche lang.
Der Film ist beim Festival des deutschen Films Ludwigshafen am Rhein nochmals zu sehen und ist für den Rheingold Publikumspreis 2025 nominiert. Zum Gesamtprogramm: Festival des deutschen Films.



















