Sieben Fragen an Andy Fetscher

Das Foto zeigt den Regisseur und Drehbuchautor Andy Fetscher. Foto: © Armands Virbulis

Andy Fetscher wurde 1980 in München geboren und studierte an der Filmakademie in Ludwigsburg zunächst Kamera, dann auch Regie. Sein Studium beendete er 2007 mit dem abendfüllenden Spielfilm „Bukarest Fleisch“, der auf internationalen Filmfestivals wie etwa dem portugiesischen Fantasporto oder dem belgischen Brussels International Fantastic Film Festival lief.

Seitdem führte Andy Fetscher bei mehreren Filmen Regie, darunter sind auch mehrere Folgen der beliebten Reihe „Soko Leipzig“. Für seine Regie bei der Jugend-Krimiserie „Binny und der Geist“, dem Krimi TATORT „Fürchte dich“ und die Romanverfilmung „Die unheimliche Leichtigkeit der Revolution“ erhielt er nationale und internationale Nominierungen.

Am 13. Januar 2026 wird bei RTL das Crime-Drama HAVELTOD – EIN POTSDAM-KRIMI mit GZSZ-Star Wolfgang Bahro als renommierten Profiler Armin Weber in der Hauptrolle gesendet. An seiner Seite steht Felix Kreutzer als Kriminalhauptkommissar und Armins Sohn Gregor Weber. In weiteren Rollen spielen Sinje Irslinger, Rosa Enskat, Katrin Heller, Sebastian Schneider, Rainer Sellien und Jane Chirwa. Zeitgleich zur RTL-Ausstrahlung ist der Film auch auf RTL+ abrufbar. Andy Fetscher führte Regie und schrieb mit Willi Kubica und Florian Schumacher das Drehbuch. Produziert wurde der Film von UFA Fiction, ProduzentInnen sind Kristina Henning und Markus Brunnemann.

Für Kriminetz beantwortete Andy Fetscher sieben Fragen.

Kriminetz: Krimis überwiegen im Angebot vieler Fernsehsender. Was macht Ihrer Meinung nach die Beliebtheit dieses Genres beim Publikum aus?

Andy Fetscher: Krimis funktionieren, weil sie uns erlauben, in sichere Gefahren abzutauchen. Nervenkitzel ohne echte Konsequenzen. Und gleichzeitig lieben wir es, ein bisschen clever und finster zu sein: Detektiv zu spielen oder dunkle Verbrechen zu planen, ohne dafür gleich ins Gefängnis zu müssen. Gute Krimis sind wie dunkle Schokolade für unser Gehirn.

Kriminetz: Worum geht es in „Haveltod – Ein Potsdam-Krimi“?

Andy Fetscher: Eines schönen Morgens geht über Potsdam die Sonne auf – und im Glockenturm der Heilandskirche wird eine Frauenleiche gefunden. Der Einzige, der den Fall knacken kann, ist der professionelle Profiler Armin Weber (Wolfgang Bahro). Der ist aber auch ein ziemlicher Dickkopf. Genauso wie sein Sohn Gregor (Felix Kreutzer), ebenfalls Polizist. Und jetzt sollen die zwei gemeinsam ermitteln, als Team! Da sind Chaos, Humor und viele Emotionen vorprogrammiert. Das Beste daran: Die unheimliche Jagd nach dem Täter spielt vor der idyllischen Kulisse der Potsdamer Seen- und Schlösserlandschaft...

Kriminetz: Die Arbeit von Profilern ist spannend und für die Polizeiarbeit wichtig. Haben Sie im Rahmen der Dreharbeiten einen echten Profiler zur Beratung hinzugezogen?

Andy Fetscher: Ja, wir hatten einen echten Profiler an Bord: Axel Petermann. Mit seiner Hilfe konnten wir tief in die echte Polizeiarbeit eintauchen – und gleichzeitig unseren eigenen Mix aus Realismus und erfundener Unterhaltung spinnen. Es war faszinierend zu sehen, wie so jemand denkt, analysiert und Schlüsse zieht. Und das direkt in unsere Geschichte einfließen zu lassen, hat den Stoff noch einmal richtig lebendig gemacht.

Kriminetz: Der Film beinhaltet neben der Krimi-Handlung einen Vater-Sohn-Konflikt. Kriminalhauptkommissar Gregor Weber braucht ausgerechnet die Hilfe des Profilers Armin Weber, der sein Vater ist. Zwischen den beiden herrschte Funkstille, die nun unterbrochen wird. Was hat Sie an diesem Konflikt besonders gereizt?

Andy Fetscher: Mich hat gereizt, dass hier nicht nur ein Fall gelöst werden muss, sondern zwei völlig verschiedene Welten aufeinandertreffen: Vater gegen Sohn, analytischer Profiler gegen rotzfrecher Bulle, Dickkopf gegen Dickkopf. Anfangs sind die beiden wie Feuer und Benzin, werden aber gezwungen, ihr Leben in die Hände des jeweils anderen zu legen. Mit jedem Schritt, den sie dem Mörder näherkommen, lernen sie, einander mehr zu vertrauen. Sie lachen, streiten, weinen und retten sich schließlich gegenseitig das Leben. Wenn’s im echten Leben auch so laufen würde zwischen Vater und Sohn, gäbe es vermutlich keine normalen Polizeiwachen mehr.

Kriminetz: Wie darf man es sich vorstellen, wenn zu dritt an einem Drehbuch geschrieben wird? Saßen Sie mit Willi Kubica und Florian Schumacher gemeinsam am Tisch zum Plotten?

Andy Fetscher: Drehbuchschreiben ist ja sowieso ein bisschen wie Zauberei: Man wirft Ideen hin, verdreht die Handlungsstränge, lacht über die verrücktesten Vorschläge – und irgendwann entsteht daraus etwas, das plötzlich Sinn ergibt. Ob wir wirklich alle gleichzeitig am Tisch saßen?! Das bleibt unser kleines Geheimnis. Fakt ist: Es war ein Abenteuer, bei dem viel Kaffee floss, ein bisschen chaotisch, aber am Ende kam etwas ganz Besonderes raus.

Kriminetz: Wird es einen weiteren Fall des Vater-Sohn-Duos Armin und Gregor Weber geben?

Andy Fetscher: Sagen wir so: Armin und Gregor wären sofort einsatzbereit. Mit den beiden ist definitiv noch nicht alles erzählt. Aber Fortsetzungen sind ja immer ein bisschen wie gute Alibis: Man hofft, dass sie halten, weiß es aber erst, wenn es ernst wird...

Kriminetz: Bei meinen Besuchen in Berlin bin ich jedes Mal erfreut von der relativ hohen Biergartendichte. Gibt es etwas, das Sie als gebürtiger Bayer in Berlin vermissen?

Andy Fetscher: In Sachen Biergärten? Kastanienbäume! In Bayern trinkt man seine Maß immer unter Kastanien, die haben große Blätter und werfen viel Schatten. Da bleibt das Bier länger kühl.

Kriminetz: Vielen Dank, Andy Fetscher, für die Beantwortung der sieben Fragen.