Sieben Fragen an Anne Mahn

Dr. Anne Mahn ist Projektleiterin der CRIME-Ausstellung. Nach verschiedenen beruflichen Stationen ist sie seit Juni 2014 Kuratorin am TECHNOSEUM Mannheim, Sammlungsbereich "Alltagskultur" und Sonderausstellungen, wie 2016 „Bier“ oder 2021 „Arbeit & Migration. Geschichten von hier“. Foto: © Jürgen Schmid, Kriminetz

Das TECHNOSEUM, Landesmuseum für Technik und Arbeit Mannheim, bietet einen spannenden Rundgang durch die Geschichte der Industrialisierung vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Die Dauerausstellung gibt einen Überblick über 200 Jahre Technik- und Sozialgeschichte und lädt in diversen Mitmachbereichen dazu ein, technisch-naturwissenschaftliche Phänomene selbst auszuprobieren. Vom 25. Juni 2026 bis 27. Juni 2027 wird die große Sonderschau »CRIME – Die Technik des Verbrechens« gezeigt. Im gesamten Haus, das auch architektonisch beeindruckt, wurden zehn Stationen dafür angelegt.

Crime-Projektleiterin ist Anne Mahn. Sie studierte von 1995 bis 2002 Kunstgeschichte, Neuere Deutsche Sprache und Literatur sowie Anglistik an den Universitäten Freiburg und Hamburg. 2009 erfolgte ihre Promotion an der Universität Hamburg. Nach verschiedenen beruflichen Stationen ist sie seit Juni 2014 Kuratorin am TECHNOSEUM Mannheim, Sammlungsbereich »Alltagskultur« und Sonderausstellungen, wie 2016 »Bier« oder 2021 »Arbeit & Migration. Geschichten von hier«.

Für Kriminetz beantwortete Anne Mahn sieben Fragen.

Kriminetz: Erstmal Glückwunsch zu dieser Ausstellung! Das Thema CRIME wurde spannend und informativ umgesetzt. Allerdings erhält man beim Besuch keine Tipps für eventuelle eigene kriminelle Aktivitäten. War das ein Wunsch des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg, von dem Sie bei der Vorbereitung unterstützt wurden?

Anne Mahn: Danke, das freut uns zu hören. Ja! Tatsächlich haben wir das in unseren ersten Gesprächen gehört. Als die Polizei uns und das Projekt kennen lernte, wurde das als eines der ersten Dinge geklärt. Auch ein geschätzter ehemaliger Kollege wünschte sich, dass wir kein „how to do it“ für Einbrüche liefern, nachdem er selbst gerade eine teure Alarmanlage installiert hatte. Daran haben wir uns gehalten, es geht eher um Aufklärung, das Bewusstmachen von Problemen und so um Prävention von Verbrechen.

Kriminetz: Nach welchen Kriterien sind die 10 Stationen der Sonderschau entstanden?

Anne Mahn: Wir haben nach Anknüpfungspunkten in der Sammlung des Hauses geguckt: Die Station zur Dokumenten- und Bildfälschung etwa in unserer Druck-Abteilung angedockt, wo man auch Falschgeld drucken kann. Oder die Fotografie als wichtiges Mittel der Aufklärung von Straftagen (bis zum virtuellen Tatort-Nachbau) im Ausstellungsbereich zur Mediengeschichte angesiedelt, wo Fotografie schon Thema ist. Auch unsere Sammlung gab einiges her, wie der VW-Bulli der Polizei. Manche besonderen Dinge, wie die Enigma-Verschlüsselungsmaschine, mussten wir aber ausleihen.

Kriminetz: Haben Sie bei den zehn Stationen, die die Schau bietet, eine ganz persönliche Lieblingsstation?

Anne Mahn: Das ist schwierig zu beantworten, weil ich sie alle toll finde. Aber wir aus dem Krimi-Team von drei Kuratorinnen haben sicherlich jede eine Station, wo wir bei Führungen länger verweilen. Meine ist die Station zur Überwachung, weil ich es - auch mit der Technik der KI – eine so gesellschaftlich relevante Station finde. Sie geht unter die Haut, weil man hier wirklich angeregt wird, die Perspektive zu wechseln.

Kriminetz: Ein Highlight der Sonderschau, das ich beispielhaft herausstellen möchte, ist der Lasertunnel, durch den sich die Gäste wie akrobatische Meisterdiebe fühlen können, die sich einem hoch gesicherten Gegenstand nähern. Schaffen Sie selbst den Parcours, ohne Alarm auszulösen? Und wie entstand diese tolle Idee?

Anne Mahn: Das ist etwas, was mir von vielen 7-Jährigen meines Bekanntenkreises gespiegelt wurde, die etwa aus dem Spionagemuseum in Berlin oder der Schau zu Detektiven und Agenten im Historischen Museum in Speyer nur von den dortigen Laser-Tunnel berichteten. So haben wir das adaptiert... Ich selbst schaffe nicht mal den Kinder-Kriech-Tunnel, ohne Glöckchen-Alarm auszulösen. Aber ich habe ja jetzt ein Jahr Zeit, zu üben.

Kriminetz: Bei der Ausstellungsbesichtigung erwähnten Sie Ihre besondere familiäre Beziehung zu Dietrichen. Wollen Sie mehr dazu erzählen?

Anne Mahn: Das haben Sie gleich entdeckt! Meine Eltern wohnen in einem Altbau mit vielen Mietparteien. Da kann man mit dem gebogenen Nagel noch eine zugefallene Tür öffnen, als guter Nachbar natürlich nur zur Hilfe. Also: immer abschließen. Dann geht es nicht mehr auf, nur mit professionellem Werkzeug oder Gewalt.

Kriminetz: Was sollen die Gäste aus der Ausstellung »mitnehmen«? Selbstverständlich nur im übertragenen Sinn.

Anne Mahn: Vor allem soll die Ausstellung Spaß machen, die vielen Mitmach-Stationen sind zur Aktvierung von Geist und Körper – siehe Lasertunnel oder schwere Goldmünzen-Schubkarre – bestens geeignet und unsere Infos sind darauf ausgelegt, »Aha!«-Effekte zu erzeugen. Wenn wir zusätzlich erreichen, dass die Gäste ein kritisches Bewusstsein etwa für Deepfakes entwickelt haben, Fotos oder Nachrichten kurz überprüfen, bevor sie sie weiterleiten, sind wir zufrieden.

Kriminetz: Im Jahr 2018 waren Sie für 3 Monate in der Research & Design Abteilung des Shanghai Science and Technology Museum, Kooperationspartner des TECHNOSEUM. Gab es dort etwas, das sie nachhaltig beeindruckt hat?

Anne Mahn: Das war ein Geschenk, einmal in eine ganz andere Unternehmenskultur Einblick zu erhalten. Ich war sehr beeindruckt von der Größe des Museums – mit Rolltreppen werden die Massen befördert. Mitgenommen habe ich auf jeden Fall, dass ich zwar drei Monate viele chinesische Kolleginnen getroffen habe und dort wohnte, aber dass ich jede Aussage „so ist es“ gleich mit dem Gegenteil widerlegen könnte. Der Perspektivwechsel hat viel bewirkt.

Am schönsten fand ich die Reihe der trocknenden Handtücher der Schwimmer auf dem Geländer der Brücke über den kleinen Fluss hinter unseren Büros, direkt neben dem „Schwimmen absolut bei Strafe verboten“-Schild.

Kriminetz: Vielen Dank, Anne Mahn, für die Beantwortung der sieben Fragen.

Sämtliche Informationen zur Ausstellung findet ihr hier: technoseum.de.

Kriminetz-Redakteurin Claudia Schmid führte das Interview mit Crime-Projektleiterin Dr. Anne Mahn. Der Polizei-Bulli befindet sich in der Sammlung des Technoseums Mannheim. Foto: © Jürgen Schmid, Kriminetz