Sieben Fragen an Arne Dahl

Das Foto zeigt den schwedischen Erfolgsautor Arne Dahl. Foto: © Thron Ullberg

Der schwedische Autor Arne Dahl, Jahrgang 1963, hat mit seinen Kriminalromanen um die Stockholmer A-Gruppe eine der weltweit erfolgreichsten Serien geschaffen und wurde international mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht. Mit »Sieben minus eins« begann Arne Dahl 2016 eine neue Serie um das Ermittlerduo Berger & Blom. 2018 wurde Arne Dahl zusammen mit Simon Beckett mit dem Ripper Award ausgezeichnet.

Arne Dahl studierte in Stockholm und promovierte in Literaturwissenschaften. Aus dem Literaturwissenschaftler Jan Arnald wurde das Alter Ego Arne Dahl, der erfolgreiche Krimiautor.

Im Februar erscheint im Piper Verlag in deutscher Übersetzung (Kerstin Schöps) »Null gleich Eins«. Der Klappentext: »Er wird es wieder tun. Am Fünften jedes Monats findet die Stockholmer Polizei in den Schären eine Leiche. Doch die Todesursachen unterscheiden sich, und so glaubt niemand an eine Verbindung zwischen den Morden. Niemand außer Kommissarin Desiré Rosenkvist, die Sam Berger und Molly Blom mit dem Fall beauftragt. Obwohl die Ermittler im Verborgenen agieren müssen, erkennen sie: Wer auch immer die Toten deponiert, will gefunden werden. Nur warum gerade jetzt? Berger und Blom setzen sich auf die Fährte eines größenwahnsinnigen Täters, dem es um nichts Geringeres als das ewige Leben zu gehen scheint …«

Für Kriminetz beantwortete Arne Dahl sieben Fragen.

Kriminetz: Nordic Noir erfreut sich bei der deutschen Leserschaft überaus großer Beliebtheit. Wie kann man das erklären?

Arne Dahl: Das Konzept Nordic Noir gibt es mittlerweile so lange, dass es sich zu einem Qualitätssiegel für sich entwickelt hat. Dies basiert auf der Qualität der frühen Autoren und ist möglicherweise nicht auf die heutige Flut von Nordic Noir-Büchern anwendbar – es gibt definitiv eine Inflation, viele sogenannte Autoren versuchen, als Trittbrettfahrer zu agieren.

Ich denke, was die deutschen Leser von Anfang an fesselte, basierte auf einem allgemeinen deutschen Interesse an Skandinavien. Das Interesse am Norden war groß, sowohl aus touristischer als auch aus politischer Sicht – und als sich herausstellte, dass dort auch eine neue Art von Kriminalliteratur geschrieben wurde, wuchs die Neugier, zumal es nicht darum ging, Skandinavien zu verherrlichen, sondern sich eher um eine selbstkritische Darstellung handelte. Vielleicht machte es das noch interessanter …?

Kriminetz: Woher nehmen Sie die Inspiration für die besonderen Mordmethoden in ihren Romanen?

Arne Dahl: Die Mordmethoden sind normalerweise nicht sehr wichtig, es sei denn, sie haben einen symbolischen Wert. Manchmal muss es hart sein, weil die Geschichte es erfordert, wobei die Inspiration aus der realen Welt kommt. Und in dieser Welt gibt es heutzutage keinen Mangel an Grausamkeiten.

Kriminetz: Wäre denn das »ewige Leben«, wonach einige Figuren in »Null gleich Eins« streben, tatsächlich wünschenswert? Wenn alles vieltausendfach erlebt werden könnte, wären wir doch um die Besonderheit einzigartiger und damit kostbarer Momente beraubt?

Arne Dahl: Ich glaube schon. Manchmal glaube ich sogar, dass wir eine einigermaßen angepasste Lebensspanne haben, damit wir keine Chance bekommen, wirklich gelangweilt oder blasiert oder zynisch zu sein. Wenn man so sehr auf »Lebensverlängerung« fixiert ist wie der Hauptschurke in »Null gleich eins«, dann lebt man nicht wirklich, sondern konzentriert sich nur auf die Zukunft, um die Zukunft so lange wie möglich zu gestalten. Und wenn man bedenkt, was der Wunsch, ewig zu leben, den ich in diesem Buch aufzuzeigen versuche, kostet, ist ein überlanges Leben immer mit einem moralischen Mangel verbunden.

Kriminetz: Sie sprechen selbst Deutsch. Diskutieren die jeweiligen Übersetzer Ihrer Romane mit Ihnen einzelne Begriffe oder Passagen?

Arne Dahl: Das ist über die Jahre definitiv passiert. Übersetzer sind die besten Leser. Es ist sehr interessant, die deutsche Version meiner Geschichte zu lesen und zu hören, und dabei zu sehen, wie die Nuancen übersetzt werden. Das eigene Buch wird so vor Ihren Augen und Ohren verwandelt. Ich liebe die kleinen Unterschiede zwischen Schwedisch und Deutsch.

Kriminetz: Die Reihe um Berger & Blom ist nach nun fünf Bänden zu Ende. Worauf dürfen sich Ihre Leserinnen und Leser als nächstes freuen?

Arne Dahl: Daran knoble ich sozusagen gerade. :-) Berger und Blom gehen jetzt zumindest für eine Weile in den Ruhestand, und so viel kann ich sagen: Ich werde jetzt mit einem neuen Blickwinkel zu den etwas klassischeren Polizeiverfahren zurückzukehren, wie zum Beispiel bei der A-Gruppe …

Kriminetz: Wenige Monate vor Beginn der Corona-Pandemie zwar ich zweimal in Stockholm, um unsere Tochter während ihres Auslandssemesters zu besuchen und habe mich in den Schärengarten, dort, wo in »Null gleich Eins« die Leichen liegen, verknallt. Natürlich absolvierten wir den vermutlich obligatorischen Ausflug nach Sandön und es war wunderbar. Welches ist Ihre Lieblingsinsel?

Arne Dahl: Das ist so schön zu hören. Danke. Nun, im Stockholmer Schärengarten stehen 30.000 Inseln zur Auswahl, daher ist es ein bisschen schwierig, nur eine auszuwählen. Es hängt davon ab, was Sie wollen: die etwas belebteren, dichter besiedelten zentralen Inseln oder die kargeren Inseln in den Randgebieten, insbesondere im Norden, aber auch ganz im Süden. Ich bevorzuge den Norden, rund um Norrtälje, wo ich viel Zeit auf der Insel Vätö verbringe. Das macht sie wahrscheinlich zu meiner Lieblingsinsel …

Kriminetz: Wir Menschen stehen vor großen Herausforderungen, die es klimamäßig und ökonomisch zu bewältigen gilt. Sollte Europa politisch enger zusammenwachsen, um Lösungsansätze zu finden und umzusetzen?

Arne Dahl: Ich habe im Zusammenhang mit meiner Opcop-Reihe sehr viel über Europa nachgedacht und versucht, alles zu verstehen. Aber es bleibt sehr schwer - wie wir jetzt definitiv sehen – es gibt einen Norden und einen Süden, einen Osten und einen Westen, und manchmal ist es schwierig zu sagen, was uns zusammenhält. Aber wenn Russland sich so verhält, wie es das tut, müssen wir stark sein. Ich glaube immer noch an Europa als Ganzes.

Kriminetz: Vielen Dank, Arne Dahl, für die Beantwortung der sieben Fragen.