Sieben Fragen an Christoph Heiden

»Zurück im Zorn« von Christoph Heiden war 2021 in der Kategorie »Roman« des Glauser-Preises nominiert.Foto: © The Picks

Christoph Heiden ist in Berlin Lichtenberg geboren. Er arbeitete als Küchenhilfe, in der Baumpflege und einer Tischlerei, auf einem Friedhof und im Tierpark Berlin, in einer Videothek, im Catering und in einem Kanuverleih, als Coach fürs kreative Schreiben, am und für das Theater, in der Einzelfallhilfe und diversen sozialen Einrichtungen. Wenn er keine Romane schreibt, widmet er sich der Bühne, verfasst eigene Stücke oder adaptiert die Stoffe anderer. Christoph Heidens Leidenschaft gilt dem Kriminalroman in all seinen Facetten. Sein Roman »Zurück im Zorn« war 2021 in der Kategorie »Roman« des Glauser-Preises nominiert und Gewinner des »Bloody Cover-Awards 2021«.

Für Kriminetz hat Christoph Heiden sieben Fragen beantwortet.

Kriminetz: Weshalb hast du dich beim Schreiben für das Genre Kriminalroman entschieden?

Christoph Heiden: Heute frage ich mich, ob es überhaupt eine freie Entscheidung gewesen war :) Zum Einschlafen hat meine Mutter gern die Schallplatte »Das Zeichen der 4« aufgelegt. Ich hab mich ungemein gegruselt, besonders vor dem mörderischen Gespann. Gleichzeitig war ich von dem Kriminalfall um Mary Morstan total fasziniert. Vielleicht war schon damals der Samen für meine spätere Karriere gesät worden.

Kriminetz: In deinem für den Glauser-Preis nominierten Kriminalroman »Zurück im Zorn« reist Sozialarbeiterin Anna zurück in ihr Dorf in der brandenburgischen Provinz. Gemeinsam mit Ex-Bulle Willy kommt sie ihrer eigenen Vergangenheit auf die Spur. Dein Ermittlerpaar wirkt in dieser Konstellation auf Anhieb ungewöhnlich. Wie hattest du die Idee zu den beiden?

Christoph Heiden: Schreibe über das, was dir vertraut ist - diesen Grundsatz versuche ich immer zu beherzigen. Ich selbst war in der Sozialen Arbeit tätig, und die eine Hälfte meines Herzens pocht für das Märkische. Im Grunde sind Anna und Willy aus meinen Erfahrungen geboren, weshalb sie mir auch so nahestehen. Ich liebe und hasse sie gleichermaßen. Über solche Figuren lässt sich leicht schreiben.

Kriminetz: Anna war vor etlichen Jahren aus dem fiktiven Ort Gollwitz abgehauen, kehrt aber dorthin zumindest vorübergehend zurück. Funktionieren Familientragödien besser auf dem Land?

Christoph Heiden: Nein, das würde ich nicht behaupten. Familientragödien funktionieren überall. Da ich selbst in Berlin lebe und einen Großteil meiner Kindheit in Brandenburg verbracht habe, drängte sich mir die Prämisse auf. Zumal die Themen »Ankunft« und »Rückkehr« einen enormen Reiz ausüben, nicht nur bei mir, sondern überhaupt in der Literatur. Wenn die Leserschaft sich dann noch an die Hand nehmen lässt, kann man als Autor:in nur zufrieden sein.

Kriminetz: Die Ereignisse im Dorf wirken wie fallende Tropfen Wasser in ein Meer, die durch die Bewegung, die sie auslösen, schließlich zu einer Welle führen. Alles hängt irgendwie zusammen, kein Ereignis ist als isoliert zu betrachten. Wie arbeitest du deine Handlung im Roman aus? Old Fashioned mit Karteikarten für die einzelnen Figuren und Erzählstränge?

Christoph Heiden: Zunächst entsteht ein Exposé, an das mich jedoch nicht auf Teufel und Verderb klammere. Dann werfe ich die Figuren in eine heikle Situation und beobachte, wie sie sich verhalten. Ich arbeite eher intuitiv und folge den Figuren gern, erst recht in ihre Abgründe. Wenn sie authentisch sind, bewegen sie sich ganz von selbst und schaffen es sogar, mich zu überraschen. Beispielsweise hatte ich nicht geplant, Willy des Nachts auf einem Feld zusammenbrechen zu lassen. Es ist einfach passiert.

Kriminetz: In deinem Kriminalroman »Nacht im Kopf« soll im brandenburgischen Nirgendwo Europas größtes Werk für Elektroautos entstehen. Aber nicht alle sind von diesen Plänen begeistert. Hat die Realität deinen Plot längst eingeholt?

Christoph Heiden: Diese Realität existierte bereits vor »Nacht im Kopf«. Leider haben wir uns zu oft blind gestellt, und so können plötzlich Menschen auftauchen, die andere mit Armbrüsten bedrohen. Waffen oder todbringende Geschosse verursachen aber keine Spaltung, das ist vielmehr eine Reaktion auf diesen traurigen Zustand - genau wie mein Plot.

Kriminetz: Wovon lässt du dich zum Schreiben inspirieren?

Christoph Heiden: Zuallererst von der Familie. Und mit der Familie kommt das Land, die großen Ebenen, die Felder und kranken Kiefernwälder. Außerdem lese ich lauter schreckliche Dinge in den Zeitungen oder online und bin genauso betroffen wie die meisten Leser:innen auch. Gäbe es nicht die Liebe zu diesem seltsamen Landstrich, würde ich wohl strunzdumme Kommentare verfassen.

Kriminetz: Wohin wird dich deine erste Reise führen, sobald es uns im Umgang mit der Pandemie endlich wieder möglich sein wird, zu reisen? Vom welchem Land träumst du?

Christoph Heiden: Irland, ganz klar. Da habe ich nach der Manuskriptabgabe von »Zurück im Zorn« Urlaub gemacht und bin einmal von Dublin zur Westküste gereist. Das will ich wiederholen, denn das schulde ich »Nacht im Kopf«, dem zweiten Band.

Kriminetz: Vielen Dank, Christoph Heiden, für die Beantwortung der sieben Fragen.

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