Sieben Fragen an Friederike Jehn

Regisseurin Friederike Jehn auf dem roten Teppich beim Festival des deutschen Films in Ludwigshafen am Rhein, wo sie schon mehrfach zu Gast war. Foto: © Jürgen Schmid, Kriminetz

Regisseurin Friederike Jehn studierte zunächst Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften in Köln und nahm anschließend ein Studium der Filmregie und Drehbuch mit dem Schwerpunkt Szenischer Film an der Filmakademie in Ludwigsburg auf. Ihr Diplomfilm, mit dem sie im Jahr 2005 ihr Studium abschloss, heißt Fliehendes Land. Ihr Debütfilm Weitertanzen gewann 2008 unter anderem den Eastman Förderpreis für Nachwuchstalente bei den Hofer Filmtagen und den Hauptpreis des Festivals des deutschen Films Ludwigshafen am Rhein. Ihr zweiter Kinofilm, das deutsch-schweizerische Arthouse-Drama Draußen ist Sommer, feierte auf dem Filmfestival San Sebastian seine Premiere und wurde auf vielen internationalen Festivals, unter anderem in der renommierten Publikumssektion Cannes Cinéphiles der Filmfestspiele Cannes, gezeigt.

Ihr aktueller TATORT Ex-It nach dem Drehbuch von Wolfgang Stauch feierte seine Film-Premiere auf der Ludwigshafener Parkinsel.

Für Kriminetz beantwortete Friedrike Jehn sieben Fragen.

Kriminetz: Sie waren schon mehrfach mit einem Ihrer Filme beim Festival des deutschen Films in Ludwigshafen am Rhein zu Gast. Was macht für Sie das Besondere dieses Festivals aus?

Friederike Jehn: Das Besondere an dem Festival des deutschen Films ist für mich die große Publikumsnähe und die Herzlichkeit, mit der wir hier immer wieder empfangen werden. Die vielen, interessierten Zuschauer:Innnen, die über die Jahre zahlreiche, zum Teil auch sehr anspruchsvolle Filme auf dem Festival gesehen haben und oft sehr aufschlussreiche Fragen stellen.

Kriminetz: Im Film „Ex-It“ stehen eine Influencerin und ihr Ehemann, ein Medienunternehmer, im Mittelpunkt der Handlung. Die beiden sind im Turbogang reich geworden, sind aber gegenseitig längst in Sprachlosigkeit verfallen. Die Beziehung ist ziemlich am Ende. Was hat Sie an diesem Stoff gereizt?

Friederike Jehn: Mich hat an Wolfgang Stauchs Drehbuch zu „Ex-It“ gereizt, wie betörend rätselhaft sich das Drama um die beiden Eheleute entspinnt und wir als Zuschauer hin und hergerissen sind, wer einerseits den fatalen Unfall verursacht hat. Andererseits wollen wir empathisch verstehen, wie diese doch einst von Liebe getragene Ehe so katastrophal scheitern konnte.

Kriminetz: Der Film ist ziemlich „rund“, was die Geschichte, die Ausstattung, Kamera und Musik anbelangt. In Filmen müssen manchmal auch unbedingt Szenen gedreht werden, die für die weitere Erzählung wichtig sind. So zum Beispiel die Straßenbauszene, weil die einen wichtigen Hinweis gibt, der im weiteren Verlauf zum Tragen kommt. Haben Sie sich mit dieser Szene an reale Straßenbauarbeiten „drangehängt“ oder sie extra aufgebaut?

Friederike Jehn: In der Tat war die Planung dieser kleinen Szene ziemlich aufwändig. Zuerst wollten wir auf einer bestehenden Baustelle drehen und haben uns sämtliche Baustellen angeschaut, das letztendlich aber logistisch zu kompliziert. Wir haben dann selbst eine Baustelle „geschaffen“, also mit einem Strassenbau-Unternehmen Teerarbeiten behauptet. Das war insofern auch nicht ganz einfach, dass Teer ja bekanntlich sehr hart wird – und wir die Baustelle wieder abbauen und die Strasse so zurücklassen mussten, wie wir sie vorgefunden hatten.

Kriminetz: Sie haben schon zum dritten Mal mit Drehbuch-Autor Wolfgang Stauch zusammengearbeitet. Wie muss ein Drehbuch beschaffen sein, damit Sie Ihre Regiearbeit zusagen?

Friederike Jehn: Oh, gute Frage! Spannend sollte ein Drehbuch natürlich sein – in jeglicher Hinsicht! Bei einem Kriminalfilm ist ein gutes Drama unter der Krimi-Handlung mindestens so wichtig wie eine raffinierte Aufdeckung des Falls. Dazu ist es mir ein Anliegen, dass die Erzählung sich tiefer für die Menschen interessiert, von denen sie erzählt. Auch ein Hauch Humor ist essentiell. Alles das kann Wolfgang Stauch sehr gut.

Kriminetz: „Ex-It“ ist nicht Ihre erste TATORT-Inszenierung. Es ist ja eine Art Ritterschlag des Fernsehfilmkosmos, wenn man das Angebot erhält, einen TATORT zu machen. Was macht für Sie den besonderen Reiz dieser Reihe aus?

Friederike Jehn: Die brisanten, gesellschaftsrelevanten Themen, das offene, auch immer mal wieder experimentierfreudige Format, die regionalen Bezüge, die sehr diversen Kommissar:innen, die mit erstklassigen Schauspieler:innen besetzt sind – ich finde, dass der Tatort viel zu bieten hat und freue mich, dass er weiterhin ein breites und treues Publikum hat.

Kriminetz: Auf welchen Film unter Ihrer Regie darf sich das Publikum als nächstes freuen?

Friederike Jehn: Das steht noch nicht fest. Aber dafür wird im kommenden Jahr ein Film ins Kino kommen, für den ich das Drehbuch geschrieben habe: Die Romanadaption „Identitti“.

Kriminetz: Heißt es auch in Ihrem Wohnzimmer am Sonntagabend um 20.15 Uhr „TATORT-Time“?

Friederike Jehn: Natürlich!

Kriminetz: Vielen Dank, Friederike Jehn, für die Beantwortung der sieben Fragen.