Sieben Fragen an Marc Voltenauer und Benjamin Amiguet

Für ihr gemeinsames Buch „22 Krimi-Touren in Europa, die man gemacht haben muss“, sind Marc Voltenauer (Foto: © Benjamin Amiguet) & Benjamin Amiguet (Foto: © privat) zwei Jahre lang mit dem Wohnmobil durch Europa gereist.

Marc Voltenauer, geboren 1973 in Genf, studierte zunächst Theologie und arbeitete dann im Bankwesen und in der Pharmaindustrie. Seine Romane gewannen in der Schweiz und in Frankreich renommierte Literaturpreise. Er lebt mit seinem Partner in dem kleinen Dorf Gryon in den Waadtländer Alpen, das ihm als Inspiration für seine Romane dient.

Benjamin Amiguet, geboren 1986 in Gryon, arbeitete bei der Tourismusförderung des Kantons Waadt und beim Schweizer Tourismus-Verband in Bern. Seit 2019 ist er für Transports Publics du Chablais tätig.

Für ihr gemeinsames Buch „22 Krimi-Touren in Europa, die man gemacht haben muss“, sind die beiden zwei Jahre lang mit dem Wohnmobil durch Europa gereist, um den Spuren von Krimiautoren und den Orten, aus denen sich ihre Welten zusammensetzen, zu folgen. Die Reise führte sie durch 19 Länder, aus denen 22 Routen entstanden sind.

Von diesem Abenteuer haben Marc Voltenauer und Benjamin Amiguet exklusive Interviews und Videos mitgebracht, in denen die Autoren ihre Favoriten und Reisetipps mitteilen (zu entdecken auf der eigens dafür eingerichteten Website 22krimitouren.com. Sie tauchten ein in die europäische Kriminalliteratur und in die Welt von Jo Nesbø, Sebastian Fitzek, Volker Kutscher, Nele Neuhaus, Robert Galbraith, Jussi Adler-Olsen, Ian Rankin, Val McDermid, Tana French, Yrsa Sigurdardottir und vielen weiteren.

Für Kriminetz haben Marc Voltenauer und Benjamin Amiguet sieben Fragen beantwortet.

Kriminetz: Was war der Auslöser für die Idee zu eurer tollen Wohnmobil-Tour und dem daraus resultierenden ungewöhnlichen Reiseführer, der jetzt bei Emons sowohl in deutscher als auch in französischer Sprache erschienen ist?

Benjamin Amiguet: Wir sind leidenschaftliche Reisende und passionierte Krimifans – Marc ist selbst Krimiautor. So kam uns die Idee, ob man beide Leidenschaften nicht miteinander verbinden kann. Wie wäre es, wenn wir auf den Spuren der Kriminalliteratur quer durch Europa reisen und daraus ein Buch machen würden. Der Plan reifte und ließ uns nicht mehr los: unterwegs sein und dabei Autor*innen kennenlernen und die Schauplätze ihrer Bücher entdecken. Am Ende war es eine Reise mit dem Camper über drei Jahre durch 19 Länder!

Kriminetz: Bei den zahlreichen Erlebnissen gibt es sicherlich eine ganz besondere Anekdote über ein Ereignis, das euch beschäftigt hat?

Marc Voltenauer: Ein unvorhergesehenes Ereignis hätte unsere Reise beinahe ernsthaft gefährdet. Als wir in den Highlands in Schottland unterwegs waren, ging das Getriebe unseres Wohnmobils kaputt. Unser Pannendienst empfahl uns, die Reise abzubrechen. Aber das kam für uns nicht in Frage. So haben wir rund zwanzig Werkstätten in der Region kontaktiert, die meisten hatten Wartezeiten von mehreren Wochen. Mit viel Glück fanden wir eine, die bereit war, die Reparatur schon in der darauffolgenden Woche durchzuführen. In der Zwischenzeit mieteten wir ein Auto, um wie geplant mit unseren Besuchen fortzufahren. Zehn Tage später waren wir wieder mit unserem Wohnmobil unterwegs. Entschlossenheit und manchmal ein Quäntchen Glück zahlen sich am Ende halt immer aus.

Kriminetz: Jussi Adler-Olsen erzählte mir mal in einem Interview, er würde im Winter für seinen Nachbarn grillen. Seitdem haben wir unsere eigene Grillsaison auch sehr ausgeweitet, lach. Mich würde interessieren, ob der überaus sympathische Jussi Adler-Olsen für euch gegrillt hat? Oder habt ihr ihn an einem der Schauplätze seiner Bücher getroffen?

Marc Voltenauer: Der Begegnung mit Jussi Adler-Olsen, der uns bei sich zu Hause nördlich von Kopenhagen empfangen hat, habe ich regelrecht entgegengefiebert. Wir haben mit ihm einen ganzen Nachmittag verbracht und er hat für uns gebacken. Auch unsere Katze Chatran durfte ihn treffen. Ein Hausbesuch bei einem Lieblingsautor ist natürlich ein unvergessliches Erlebnis!

Kriminetz: Nach welchen Kriterien habt ihr die Autorinnen und Autoren, die ihr für euer Buch ausgewählt habt, gefunden?

Benjamin Amiguet: Wir haben uns auf die lokalen Autor*innen fokussiert, die entweder aus dem Land stammen oder schon lange dort leben. Und wir haben darauf geachtet, dass ihre Werke sowohl auf Französisch als auch auf Deutsch erhältlich sind, da unser Buch in diesen beiden Sprachen erscheint. Wir haben uns auf Serien konzentriert, und es war entscheidend, dass in diesen Büchern die erwähnten Orte real sind und die Handlung fest in der Realität verankert ist. Einige literarische Neuentdeckungen haben es aber auch ins Buch geschafft: Kriminalromane, die bislang noch nicht übersetzt wurden.

Kriminetz: Marc, du hast, wie ich auch, familiäre Beziehungen zu Schweden. Deine Mutter ist Schwedin. Resultiert daraus eine besondere Vorliebe für Nordic Noir und hat dich das in deinem eigenen beruflichen Werdegang beeinflusst?

Marc Voltenauer: Ich bin ein großer Fan nordischer Krimis, besonders schwedischer Autoren. Neben der Handlung faszinieren mich vor allem die Atmosphäre und die Schauplätze: Ystad mit seinem hansischen Erbe (Henning Mankell), das Fischerdorf Fjällbacka (Camilla Läckberg), die Insel Gotland (Mari Jungstedt) oder Kiruna im hohen Norden (Åsa Larsson). Diese Bücher haben mich natürlich auch stark beim Schreiben meiner eigenen Krimis inspiriert. Nordische Krimis verlagern die Handlung oft aufs Land. Statt rasanter Action dominieren Atmosphäre, Figuren und psychologische Spannung. Gleichzeitig zeigen urbane Serien mit Figuren wie Harry Hole (Jo Nesbø) oder Mikael Blomkvist (Stieg Larsson) auch die dunkleren Seiten der modernen skandinavischen Gesellschaft.

Kriminetz: Gibt es unter den vielen Touren, die ihr gemacht habt, eine Lieblingstour, die ihr so nochmal gerne wiederholen würdet?

Benjamin Amiguet: Die Reise war ein großartiges Abenteuer. Wir hatten unvergessliche Begegnungen und haben unglaublich viel gelernt und gesehen. Die Tour in Island würden wir unbedingt wiederholen. Viele Krimis spielen in Städten. Als Reisende schätzen wir jedoch vor allem weite Landschaften und diese besondere „Ende-der-Welt“-Atmosphäre – und in Island wurden wir damit mehr als belohnt.

Kriminetz: Ihr hattet eure Katze Chatran mit dabei im Wohnmobil. Wie habt ihr es geschafft, dass die ihre Reise nicht unabhängig von euch fortsetzte?

Marc Voltenauer Chatran ist sehr treu und begleitet uns überallhin. Während der ganzen Reise wich er uns kaum von der Seite. Im Wohnmobil fühlte er sich sofort wohl – es war für ihn wie ein kleines Zuhause auf Rädern. Eigentlich hatte er gar kein großes Interesse, hinauszugehen. Meistens blieb er lieber drinnen, beobachtete alles durch das Fenster und wartete geduldig, bis wir zurückkamen. Manchmal nahmen wir ihn auch in einem Rucksack mit, sodass er uns trotzdem begleiten konnte. Für ihn war es ganz selbstverständlich, einfach mit uns unterwegs zu sein.

Kriminetz: Vielen Dank, Marc Voltenauer und Benjamin Amiguet, für die Beantwortung der sieben Fragen.

Zur Website von MarcVoltenauer.com,
zum Instagram-Account von BenjaminAmiguet.

Cover © Emons Verlag