Die Schauspielerin Ramona Olasz wurde 1979 in Temeswar (Rumänien) geboren. Nach ihrer Matura studierte sie zunächst Journalistik und Kommunikationswissenschaften mit dem Abschluss Diplom. Von 2002 bis 2006 studierte sie Schauspiel in deutscher Sprache an der staatlichen West-Universität Temeswar. Noch während des Studiums wurde sie in das Ensemble des Deutschen Staatstheaters Temeswar aufgenommen und spielte dort im Festengagement während elf Spielzeiten.
2013 wechselte sie dann in die freie Szene und gründete in der rumänischen Hauptstadt das erste professionelle deutschsprachige Kammertheater TLB (Theaterlaboratorium Bukarest), das eng mit dem Österreichischen Kulturforum und dem Goethe-Institut zusammenarbeitete.
Im Jahr 2017 zog sie nach Berlin, wo sie als freischaffende Schauspielerin mit Schwerpunkt auf Film- und Fernseharbeit lebt und 2019 das Camera Actors´ Studio am ISFF (Institut für Schauspiel-, Film- und Fernsehberufe) absolvierte.
Die Kriminetz-Redaktion traf Ramona Olasz beim Festival des deutschen Films Ludwigshafen am Rhein, zu dem sie mit der Film-Crew zur Vorstellung des aktuellen Schwarzwald-TATORTs des SWR anreiste.
Für Kriminetz beantwortete Ramona Olasz sieben Fragen.
Kriminetz: Erstmal Glückwunsch zu dem tollen Film! Der Schwarzwald-TATORT „Das jüngste Geißlein“ funkelt aus der Reihe heraus. Haben Sie ihn selbst beim Festival des deutschen Films in Ludwigshafen am Rhein zum ersten Mal gesehen? Und wie war es, ihn auf der großen Leinwand und mit Publikum zu erleben?
Ramona Olasz: Oh ja, klar habe ich ihn auf dem Festival zum ersten Mal gesehen! Ich hätte es auch nicht anders gewollt! Die große Leinwand ist ja doch etwas ganz anderes, und zu Hause vor der Glotze kann es manchmal auch trostlos sein, nicht wahr? Das alles kam auch ganz überraschend für mich, weil ich gar nicht wusste, dass „Tatorte“ bevor sie gesendet werden auf Festivals laufen - wissen Sie, ich bin ja immer noch ziemlich neu in der deutschen Film- und Fernseh-Landschaft, und hier laufen die Sachen schon etwas anders als ich es von zu Hause kenne...
Und ja, meine Güte, mir fehlen eigentlich die Worte um das zu beschreiben: es war einfach elektrisierend. Das beste war, die Energie zu spüren die aus dem Publikum kam - die Vorfreude, die Spannung, den Schrecken und am Ende manche Leute mit Tränen in den Augen zu sehen … das ist unbezahlbar schön und das sind die Momente, in denen man weiß, warum man diesen Beruf ausübt.
Kriminetz: Wie erlebten Sie überhaupt das Filmfestival auf der Parkinsel?
Ramona Olasz: Leider nur kurz…! Viel zu kurz! Wie gesagt, es kam für mich sehr überraschend, aber dieser Premierentermin passte gerade noch, und da habe ich mir gesagt „kannst du dir doch nicht entgehen lassen den Film so zu erleben, obwohl ja auch so eine Kurzreise nicht ganz billig ist, denn wer weiß ob du noch einmal diese Chance haben wirst“ - also sind wir losgefahren, mein Mann und ich, es waren buchstäblich unsere letzten Urlaubstage, denn nun fängt die Vorbereitung für das nächste Projekt an.
Apropos – ich hoffe jetzt schon, dass auch der Film, den ich jetzt drehe, auf dem Festival laufen wird! Dann werde ich mir richtig Zeit nehmen und ein paar mehr Tage lang zusammen mit dem Publikum Filme genießen und den wunderbaren Wein samt der guten pfälzischen Küche… Ach Mensch, mir läuft jetzt schon das Wasser im Munde zusammen wenn ich daran denke… Sie sehen, es hat mir so gut gefallen, dass ich jetzt richtig Lust auf mehr habe.
Kriminetz: Haben Sie Ihre Rolle der Enja in „Das jüngste Geißlein“ spontan zugesagt oder erstmal darüber nachgedacht?
Ramona Olasz: Spontan. Ich mache grundsätzlich alles spontan, aber in diesem Fall ging es nicht anders: der Himmel hat es für mich entschieden - mit Blitz und Donner! Diese Geschichte muss ich ihnen erzählen, es ist fast surreal - Sie müssen wissen: mein Mann und ich sind große Fans der 70er-Jahre-Krimiserie mit Erik Ode „Der Kommissar“, wir hatten erstmals ein Treffen des Freundeskreises mit Drehortbesichtigungen in Sindelsdorf südlich von München besucht und beschlossen auf dem Rückweg, auch das Grab von Horst Tappert („Derrick“) in Gräfelfing aufzusuchen. Da waren wir nun auf dem Friedhof bei strömendem Regen mit allem drum und dran - die richtige Krimi-Atmosphäre! - und suchten krampfhaft nach dem Grab, ich suchte im Netz nach einem Hinweis, und genau da kam der Anruf von meiner Agentin! Also letztlich haben wir das Grab gefunden, und just da kam die Nachricht mit der Anfrage für den „Tatort“, die man ja sowieso nicht ablehnen würde, und unter diesen Umständen habe ich dann natürlich ganz besonders spontan geantwortet: JA KLARO!
Kriminetz: Der Schwarzwald gilt – zumindest der Sage nach – als dicht und mystisch. Haben Sie ihn bei den Dreharbeiten so erlebt?
Ramona Olasz: Leider spielte unsere Szene drinnen, im Studio… ich hätte den Wald liebend gerne erlebt bei dem Dreh, weil alles draußen so märchenhaft aussah vor Weihnachten… und für mich als ein Kind, das auf dem Lande aufgewachsen ist, war der Wald immer schon ein mystischer Ort - und jetzt gerade DIESEN Wald (der Ort wo die ganzen Helden meiner Kindheit lebten) vor der Nase zu haben und da doch nicht spielen zu können war schon bitter… muss ich gestehen… ich hätte da schon liebend gerne die Leiche gespielt...
Kriminetz: Bei dem sich an den Film anschließenden Gespräch im Zelt auf der Rheinwiese wurde erzählt, das Team habe sich zur Vorbereitung auf die Arbeit Horror-Filme angesehen. Haben Sie durchgehalten oder die doch nicht alle ganz angeschaut?
Ramona Olasz: Jetzt muss ich aber schmunzeln… Wissen Sie, für unsere kleinen Rollen galt das nicht (das mit dem Horrorfilm schauen), weil der Regisseur Rudi Gaul mit uns einen Bruch in dieser schon etablierten „gruseligen Atmosphäre“ inszenieren wollte, was ihm auch wunderbar gelungen ist: wir sollten die ganz „reale“ Welt zurück in Rumänien verkörpern. Aber dennoch – ich LIEBE Horrorfilme, und da gibt es wenige die ich noch nicht gesehen habe… ich kann einfach nicht genug von diesem „thrill“ bekommen.
Kriminetz: Dieser Film der Reihe TATORT kreist um das Märchen „Die sieben Geißlein“ der Brüder Grimm, die damals Märchen gesammelt und sie nach gründlicher Überarbeitung herausgegeben haben. Gibt es in Rumänien, wo Sie aufgewachsen sind, Vergleichbares an Märchen?
Ramona Olasz: Ja natürlich gibt es auch in Rumänien einen Schatz an Volksmärchen, aber die sind nicht so konkret, es geht da z. B. oft um das Leben nach dem Tod oder um die ewige Liebe und solche Sachen...
Tatsächlich gibt es auch ein sehr bekanntes Märchen „Die Ziege mit den drei Geißlein“, das ist aber ein literarisches Märchen, geschrieben von Ion Creangă irgendwann in den 1850er Jahren. Ich glaube, es ist sogar inspiriert von den Brüdern Grimm und Titus Andronicus, denn am Ende übt die alleinerziehende Ziege Rache und verbrennt den Wolf bei lebendigem Leibe...ziemlich feministisch, nicht wahr?
Kriminetz: Sie gründeten in Bukarest das erste professionelle deutschsprachige Kammertheater TLB (Theaterlaboratorium Bukarest). Gibt es das Theater weiterhin und haben Sie immer noch eine Verbindung zur dortigen Theaterszene?
Ramona Olasz: Oh, das ist ein bissl ein wunder Punkt, denn leider hat sich niemand gefunden, der das Theater, das keine Subventionen bekam, übernehmen wollte – sehr schade, denn genug Publikum gab es und wir haben tolle Sachen gemacht, z. B. „Frau Müller muss weg“ von Lutz Hübner oder sogar „Am Ziel“ von Thomas Bernhard. Mein Ensemble von damals ist fast vollzählig ausgewandert...und dann kam ja auch noch Corona...nein, zur rumänischen Theaterszene habe ich, abgesehen von alten Freunden, kaum Kontakt – und übrigens zur deutschen auch nicht so wirklich. Mir sind die literarischen Werke viel zu wichtig, als dass ich sie entstellt darstellen möchte...und leider ist das heute doch ziemlich oft der Fall.
Kriminetz: Vielen Dank, Ramona Olasz, für die Beantwortung der sieben Fragen.
Ramona Olasz auf Instagram.





















