Sieben Fragen an Ule Hansen

Das Foto zeigt das Autorenduo Ule Hansen. Das sind Astrid Ule und Eric T. Hansen. Foto: © Werner Huthmacher

Ule Hansen ist das deutsch-amerikanische Autorenduo hinter der Emma Carow-Trilogie (“Neuntöter”, “Blutbuche” und “Wassertöchter”), einer düsteren Thriller-Reihe, die in Berlin spielt (Band 1 ausgezeichnet mit dem Stuttgarter Krimipreis, nominiert für den Friedrich Glauser-Preis 2017).

Der Amerikaner Eric T. Hansen wuchs in Hawaii auf, bis es ihn in den 80ern nach Deutschland verschlug, wo er Mediävistik studierte und für The Hollywood Reporter, The Washington Post, Süddeutsche Zeitung, Die Zeit und mehr journalistisch tätig war. Astrid Ule aus Mainz studierte Ethnologie und fand ihre Berufung als Satirikerin in Berlin für das preisgekrönte TV-Magazin »Kaos« und in der Werbung. Gemeinsam schrieben sie mehrere Dreh- und Sachbücher (“Planet America”, “Planet Germany”). Astrid Ule ist auch Lektorin und Dozentin für Kreatives Schreiben; Eric Hansen auch Lesebühnengastgeber und in den Social Media als Grumpy Old Writer unterwegs. Zusammen haben beide das Format Lagerfeuer-Helden ins Leben gerufen, eine Online-Buchpremierenreihe für Neuerscheinungen in Corona-Zeiten.

Für Kriminetz haben Ule Hansen sieben Fragen beantwortet.

Kriminetz: Ihr habt euch für eine weibliche Ermittlerin in eurer Thriller-Reihe entschieden. Wie kam Emma Carow in euer Leben? Musste sich einer von euch beiden bei der Wahl eurer Hauptfigur durchsetzen?

Eric T. Hansen: Wir wollten eigentlich gar keinen Krimi schreiben, sondern einen heiteren Frauenroman über eine Frau, die Männer einfach nicht einschätzen kann – die sind für sie ein Buch mit sieben Siegeln. Und wir fanden es witzig, ihr einen Beruf zu geben, der genau gegenteilig ist – also machten wir sie zu einer Profilerin, die Serienmörder analysieren und verstehen muss. Wir schrieben auch ein paar super Kapitel, bloß die Profiler-Teile wurden immer blutrünstiger. Irgendwann ging beides nicht mehr unter einen Hut und wir mussten zugeben: die dunkle Seite war interessanter, also ließen wir den Humor fallen und machten einen waschechten Krimi/Thriller daraus.

Kriminetz: Wie schnell habt ihr gemerkt, dass nicht nur eure Partnerschaft, sondern auch noch gemeinsames Schreiben funktioniert?

Astrid Ule und Eric T. Hansen: Das wird beides täglich neu ausgehandelt ;-) aber was wir schnell gemerkt haben: zu zweit können wir einfach etwas schaffen, was jeder von uns alleine so nicht hinbekommt.

Kriminetz: Sitzt ihr bei der Arbeit im selben Raum oder in getrennten Zimmern und knallt schon Mal die Tür hinter euch zu?

Astrid Ule: Wir arbeiten in getrennten Zimmern, aber trotzdem knallt schon mal eine Tür oder einer schmeißt den anderen aus dem Haus, um in Ruhe zu arbeiten. Falls es zu viel oder zu früh „Feedback“ gibt. Für Meetings treffen wir uns im Wohnzimmer, das ist neutraler Boden.

Kriminetz: Eric, dein Weg nach Deutschland war ein besonderer. Über dich ist zu lesen, du bist als Mormone nach Deutschland gekommen und warst hier missionarisch unterwegs. Was hast du aus dieser Zeit als Missionar Positives für dich mitnehmen können?

Eric T. Hansen: Das Leben als Missionar ist hart – man erlebt eine Menge Ablehnung. Wenn ich so zurückblicke: das war ein junger Mann, der an etwas geglaubt und einen Teil seines Lebens dafür gegeben hat. Das stärkt einen, das lehrt einen den Wert von Wagen und Nicht-Aufgeben. Sehr viel von dem, was ich jetzt bin, stammt daher, dass ich diese Feuerprobe durchgestanden habe. Deutsche bekehren! Was hab ich mir nur dabei gedacht?

Kriminetz: Außerdem bist du, Eric, auf Hawaii aufgewachsen, ebenso wie der ehemalige Präsident der USA Barack Obama. Seid ihr euch begegnet?

Eric T. Hansen: Nein, leider nicht – ich sage immer: Wir haben eigentlich alles gemeinsam haben, nur eines nicht: Er hat etwas aus seinem Leben gemacht.

Kriminetz: Ich bin durch „Lagerfeuerhelden“ auf euch aufmerksam geworden. Mögt ihr dieses Format unseren Leserinnen und Lesern vorstellen?

Astrid Ule: „Wassertöchter“, der dritte Band der Emma Carow-Trilogie, kam mitten im ersten Lockdown raus, im Frühling 2020. Die öffentliche Buchpremiere platzte. Da haben wir beschlossen, das online zu machen. Schnell haben wir gemerkt, dass es den Kollegen genauso geht und haben anfangs fast jede Woche eine Online-Buchpremiere gemacht, inzwischen alle 2 Wochen. Wir wollten ein digitales Lagerfeuer entfachen, um das man sich gern versammelt. Bei unseren Lagerfeuer-Lesungen wird nicht gelesen, die Autoren erzählen frei aus ihrem Buch oder Anekdoten aus dem Autorenleben, man kann sie live ausfragen. Jedesmal gibt es ein aktuelles Buch zu gewinnen – für alle, die per Zoom dabei sind. Man kann aber auch per Facebook-Livestream zuschauen, auf unserer Ule Hansen Seite in Facebook. Wir hatten schon Elisabeth Herrmann, Pierre Jarawan, Harald Martenstein, Peter Modler, Tatjana Kruse, Zoë Beck und viele andere zu Gast.

Kriminetz: Derzeit sind Reisen wegen der Pandemie sehr eingeschränkt. Vermisst ihr das Reisen sehr oder seid ihr so glücklich in Berlin, dass ihr es ohnehin nicht verlassen mögt?

Astrid Ule: Berlin ohne Kultur ist Exil. Man kann sich nicht mal mehr in Fantasiewelten flüchten wie Kino oder Museum, Konzert, Wellnesstempel oder Whiskybar … Und das Reisen vermisse ich extrem. Dabei war ich vorher gar nicht so viel unterwegs, aber ich hätte es gekonnt! Mir fehlt Natur, das weite Land, der Rhein, das Meer und alle meine Lieben, die sich in der Ferne tummeln. Vor allem mein kleiner Neffe in London, der jetzt 1 Jahr alt ist und den ich noch nie gesehen habe.

Kriminetz: Vielen Dank, Astrid Ule und Eric T. Hansen, für die Beantwortung der sieben Fragen.

Zur Website von Ule Hansen. hier klicken.

Ca. alle 14 Tage gibt es eine Lager-Helden-Sendung. Sie über über die FB-Seite von Ule Hansen zu erreichen.