Sieben neue Fragen an Daniel Carinsson

Der Schriftsteller Daniel Carinsson. Foto: © Esra Rotthoff, Berlin

Der Schriftsteller Daniel Carinsson, geboren 1968 in Berlin, ist ein klassischer Kreuz-und-Quer-Einsteiger. Studierter Toningenieur, später Musikproduzent, Werbetexter, zwischenzeitlich Bandleader in den USA, dann PR-Profi, Veranstalter sowie Betreiber eines Musiklabels in Wien und schließlich Social-Media-Manager, Experte für E-Mobilität, Online-Redakteur und Schriftsteller. Nachdem er in seiner ersten Lebenshälfte stark von US-amerikanischen Einflüssen der Popkultur geprägt war, galt sein Interesse seit den Nullerjahren vor allem Zentral- und Osteuropa, durch das er als Band- und Kulturmanager ausgedehnte Reisen unternommen hat. Besondere Aufmerksamkeit widmete er dabei dem Westbalkan und der Kultur der Roma.

Vor gut fünfzehn Jahren wählte er einen Ort an der Donau nahe der österreichisch-slowakischen Grenze als Schaffensbasis, wo er im Lichtatelier einer Jahrhundertwendevilla mit bewegter Vergangenheit lebt und arbeitet. 2011 erschien sein erster Roman, gefolgt von diversen Kurzgeschichten, Textveröffentlichungen in Tages- und Wochenzeitungen und einem weiteren Kriminalroman. Von Mai 2015 bis Mai 2018 stand Carinsson als Mitglied im dreiköpfigen Sprecherteam der AutorInnengruppe SYNDIKAT vor, dem größten deutschsprachigen KrimiautorInnenverband, in dem er weiterhin als Berater Multimediaproduzent aktiv ist. Mit Naked Identity: Wer ist Aya K? veröffentlichte Daniel Carinsson seinen dritten Krimi.

Für Kriminetz hat Daniel Carinsson erneut sieben Fragen beantwortet.

Kriminetz: Hast du dich als Berliner mittlerweile komplett in Österreich akklimatisiert? Fühlst du dich „angekommen“?

Daniel Carinsson: Ja, auf jeden Fall. Auch wenn mich manche sprachlichen Unterschiede zuweilen immer noch erschrecken. An „das Monat“ werde ich mich zum Beispiel wahrscheinlich nie gewöhnen. Aber ich bin ja im Grunde an der österreichischen Grenze aufgewachsen. In Berlin habe ich nur die ersten vier Lebensjahre verbracht, dann ist meine Familie nach Bayern in unmittelbare Nachbarschaft von Salzburg gezogen. Tatsächlich war ein Bach in dem Wald wenige hundert Meter hinter unserer Reihenhaussiedlung die Grenze und wir sind als Kinder beim Spielen somit permanent im Wortsinn nach Österreich rübergesprungen.

Ab meinen Teenagerjahren wollte ich, nach einer Jugend in der Provinz, natürlich auf jeden Fall später einmal in einer großen Stadt leben und schon damals wusste ich, dass in Nord- oder Mitteleuropa dafür nur entweder Berlin oder Wien in Frage kommen. Wien ist es dann geworden.
Seit rund 15 Jahren wohne ich ja nun ein Stück außerhalb von Wien, beinahe in Bratislava – Wien und Bratislava sind übrigens die beiden einander am nächsten liegenden Hauptstädte Europas – und dort, in der kleinen Jahrhundertwendevilla fühle ich mich wirklich angekommen. Obwohl sich Los Angeles, wo ich zur Jahrtausendwende gelebt habe, auch sehr zu Hause angefühlt hat, habe ich jetzt meinen Lebensort gefunden. Besagte Villa wurde übrigens 1902 für einen Bildhauer gebaut und mein jetziges Wohnzimmer war ursprünglich die Bildhauerwerkstatt. Das Haus atmet also eine gewisse Kreativität. Perfekt für mich zum Schreiben. Sätze „behauen“ hat ja auch oft was Steinmetzmäßiges (lacht).

Kriminetz: Auch in deinem aktuellen Krimi, „Naked Identity: Wer ist Aya K?“, spielt Musik wieder eine Rolle. Bleibt Musik in deinem Leben ein wichtiger Begleiter?

Daniel Carinsson: Auf jeden Fall. Wenn man 40 Jahre lang Musk gemacht hat, davon über 20 Jahre lang professionell, dann bleibt das ein fixer Bestandteil. Das zeigt sich zum Beispiel auch in manchen Ritualen. Immer bevor ich an einem Text weiterschreibe, höre ich erstmal einen bestimmten Song. Das ist bei jedem Text und jedem Buch ein anderer, aber es bleibt dann für die Dauer, die ich an dem jeweiligen Text schreibe, immer derselbe. Sozusagen der Titelsong.

Bei meinem ersten Roman „Baro Drom – der lange Weg“ war das zum Beispiel „Hey U“ von Basement Jaxx. Ein Dancetitel, der mit einem Brassband-Sample von Fanfare Ciocărlia arbeitet, mit denen der in den Nullerjahren populäre DJ und Balkan-Remixer Shantel auch viel produziert hat. Mir hat aber die Basement Jaxx-Nummer immer besser gefallen. Beim Schreiben an „Naked Identity – wer ist Aya K?“ hatte ich tatsächlich zwei Songs – soviel zur Regel und ihren Ausnahmen. Und obwohl ja auch bei diesem Buch die Rom:nja wieder eine wichtige Rolle spielen, hatten diese beiden Titel keinen Bezug zur Romamusik. Der eine war "How Not To Drown" von den CHVRCHES featuring Robert Smith (the Cure). Der hat mich perfekt in den Gemütszustand gezogen, in dem ich meine Protagonistin Aya erlebt habe.
Und der zweite heißt „7 вітрів“ (7 Minuten) von der ukrainischen Band The Hardkiss. Die sind in ihrer Heimat Superstars und ich bin während meiner Recherchen zur Ukraine – dort spielt der Roman ja größtenteils – auf sie gestoßen. Der Song hat eine super Power und das Video verursacht bei mir jedes Mal Gänsehaut. Song und Clip sind von 2021 und im Clip sind zum einen Szenen von eine Festivalauftritt der Band in der Ukraine. Wenn man die tausenden jungen Menschen da feiern sieht, nicht ahnend, dass sie kein Jahr später in einem brutalen Krieg um ihr Überleben werden kämpfen müssen und sich denkt, dass inzwischen vielleicht viele von den jungen Männern, die da tanzen und springen, in diesem Krieg ums Leben gekommen sind, das ist einfach brutal. Und dann spielt ein Teil des Videos noch auf einem Flughafen und die Sängerin schminkt sich im Cockpit der Antonow An-225, dem nach Länge und Gewicht größten flugfähigen Flugzeug, das je gebaut und das gleich in den ersten Tagen des Krieges von russischen Bomben zerstört wurde. Und das, obwohl es noch eine sowjetische Entwicklung und damit gleichermaßen russischer Stolz war.

Ich sollte dazusagen, dass der Krieg selbst im Buch gar keine Rolle spielt. Es ist kein Kriegsroman. Die Kriegsschäden sind einfach nur da und gehören zur Szenerie, in der die Handlung spielt. Und so hat dieser Song für mich quasi den Hintergrund gebildet und mich mental beim Schreiben ins heutige Kiew transportiert.

Kriminetz: Gab es einen Auslöser, der dazu führte, dich für die Kultur der Roma zu interessieren?

Daniel Carinsson: Einen einzelnen? Jein. Zunächst war es die Musik und da gab es tatsächlich einen bestimmten Moment. Ich hatte Anfang der Nullerjahre mit einem Musikproduzenten zusammengearbeitet, der gerade auf dem Plattenlabel, bei dem ich beschäftigt und für das Programm zuständig war, ein Album herausgebracht hatte, auf dem er electronic-Nu-Jazz Sound mit indischer Musik gemischt hatte. Der erzählte mir dann irgendwann, dass er so etwas gerne auch mit Roma-Musik – also traditionell beeinflusstem Gypsysound – machen würde und fragte mich, ob ich da Chancen sähe. Ich hatte damals von Gypsyjazz und Roma überhaupt keine Ahnung. Bis dahin war ich ganz von angelsächsischer Popkultur geprägt. Er hat mir dann einige Titel vorgespielt und das hat mich im wahrsten Sinne elektrisiert. Wir haben von da weg gemeinsam sehr viel Energie in dieses Projekt gesteckt, ich hatte dazu extra ein eigenes Recordlabel gegründet, auf dem ich drei Alben dieser Band, die der Produzent dann formiert hat, rausgebracht habe und noch etliche andere Gypsy- und Balkansound-Projekte.

Und dann habe ich auch angefangen, mich mehr und mehr mit der Romanikultur zu befassen. Ich bin nach Skopje gereist, wo der Stadtteil Shutka Europas, vermutlich sogar der Welt größte Romasiedlung bildet. Ich war in Rumänien unterwegs, wo eine große Romaminderheit einerseits bis heute sehr ausgegrenzt und in Armut lebt, andererseits es aber Siedlungen von überaus wohlhabenden Rom:nja gibt, wo man aus dem Staunen über die abenteuerliche Architektur dieser Villen gar nicht herauskommt. Ich habe Romnja kennengelernt, die Aktivistinnen und Professorinnen sind und natürlich auch Musiker und Musikerinnen aus allen möglichen Ecken Europas, von Istanbul bis Moskau von Hamburg bis Sofia. Die meisten aber in Budapest und eben in Bratislava.

Randnotiz: ein Großteil der Musiker der berühmten Walzerorchester von Vater und Sohn Strauss, den Wiener Walzerkönigen, waren Roma, die aus Bratislava, das damals noch Pressburg hieß und zur K.&K.- Monarchie gehörte, zu den Proben und Konzerten gependelt sind – fast so wie ich heute (lacht).

Kriminetz: Im Roman stürzt in Kiew ein Mensch von einem Hoteldach. Die Szene ist in einem Videoclip zu sehen. Hattest du selbst die Möglichkeit, vor dem russischen Angriffskrieg die ukrainische Hauptstadt zu besuchen?

Daniel Carinsson: Leider, leider nein. Ich war im Laufe der Jahre, bis auf Moldau, in allen Nachbarländern der Ukraine, also in Rumänien, in Ungarn, in der Slowakei, in Polen, in Belarus und in Russland, aber leider nicht in der Ukraine selbst. Während ich mit der Arbeit an dem Buch im Finish war, wollte im Frühsommer 2023, im zweiten Kriegsjahr, als die ukrainische Gegenoffensive lief und es einige Zeit lang keine Luftangriffe auf die Region Kiew gab, mit dem Zug dorthin fahren, aber sehr gute Freunde von mir aus Kiew, die mittlerweile in Bratislava leben, haben es mir „verboten“. Sie hatten mich überzeugt, dass es trotz der vermeintlichen „Ruhe“ in Kiew zu gefährlich sei.

Dafür hatten sie mich schon zuvor in stundenlangen Berichten über die Stadt und das Leben dort und auf unzähligen, virtuellen Stadttouren dorthin mitgenommen. Ich habe noch nie so viel Zeit auf Google-Maps verbracht und ich glaube, ich könnte spontan als Reiseführer in Kiew anfangen, so gut haben mich meine Freunde im Netz durch ihre Heimatstadt geführt. Was, glaube ich, für sie nicht einfach und zum Teil bestimmt schmerzhaft war. Ich bin ihnen dafür sehr, sehr dankbar. Sie hatten aber zu mir gesagt, wenn schon mal jemand aus „dem Westen“ ein Buch schreibt, dass in der Ukraine und in Kiew spielt, dann müssen wir das doch unterstützen.

Und dabei ist der Roman wirklich kein reines Loblied auf die Ukraine. Das, was an Nachdenklichem darin vorkommt, gilt für dort genauso wie für uns hier in Deutschland oder in Österreich bzw. in ganz Europa.

Kriminetz: Aktivistin Aya Kowalenka agiert im Roman als "The Naked Gypsy". Das erinnert an die Bewegung Femen, die provokante Aktionen durchführten?

Daniel Carinsson: Das ist natürlich kein Zufall. Die Femen haben sich ja in der Ukraine formiert, als 2012, im Vorfeld der Fußballeuropameisterschaft in Polen und der Ukraine, zunächst vier junge Frauen damit begonnen hatten, unter dem Motto „Ukraine is not a brothel“ („Die Ukraine ist kein Bordell“) gegen den ausbeuterischen Sextourismus in der Ukraine zu protestieren. Mit ihren Oben-Ohne-Aktionen, bei denen sie sich mal Parolen auf die Brust gemalt oder mal mit Kunstblut beschmiert haben, konnten sie schnell Aufmerksamkeit erregen, für die sie – und bald eine zunehmende Zahl an Mitaktivistinnen – unter anderem mit vielen Tagen und Wochen in ukrainischen Gefängnissen und Repressionen bezahlt haben. Diesen Mut habe ich schon damals sehr bewundert. Später hat sich das Protestthemenspektrum ja ausgeweitet und es gab Femengruppen in vielen Ländern. Die „Originalbesetzung“ ist irgendwann nach Paris übersiedelt, wo auch heute noch das Zentrum der Femenorganisation sitzt, die inzwischen eine echte NGO ist. Insgesamt sind die Femen dabei fast ein Stück weit zu Popkultur geworden, womit die Kraft hinter den Anliegen natürlich leider nachgelassen hat.
Die Geschichte der „original“ Femen Anna Hutsol, Ksana Shachko, Sasha Shevchenko und Inna Shevchenko, nachzulesen im Buch „Femen“ (Galia Ackerman), liest sich übrigens durchaus auch wie ein Krimi. Empfehlenswert.

Mein Gedanke war dann jedenfalls, dass eine Romaaktivistin doch diese „Protesttradition“ für ihre Anliegen wieder aufgreifen könnte und dabei habe ich mich gefragt, was dann wohl passieren würde. Denn, soviel kann ich aus dem Roman wie auch aus dem wirklichen Leben verraten, nicht alle Roma finden es gut, wenn sich eine ihrer Frauen öffentlich auszieht und damit nicht nur für Rechte der Minderheiten, sondern auch für Frauenrechte eintritt. Was Letztere betrifft sind Roma – grosso modo betrachtet – vorsichtig ausgedrückt, nicht eben weltweite Spitzenreiter.

Daraus ergibt sich das Spannungsfeld, in dem ich meinen Krimi dann habe wachsen lassen.
Aya muss sich immer häufiger fragen lassen, auf wessen Seite sie eigentlich steht, und bald sitzt sie zwischen allen Stühlen und es sind quasi alle hinter ihr her. Die Frage „Wer ist Aya K?“ stellt sie sich irgendwann auch selbst. „Wer bist du, wenn du nackt bist?“, wenn dir keine Professorinnenbrille, kein blumenbesticktes Traditionsgewandt, keine aufgemalten Aktivistinnenparolen eine Rolle zuweisen. Was bleibt dann eigentlich? Die „nackte Identität“ eben – „Naked Identity“. Die herauszufinden, ist vielleicht die eigentliche Detektivaufgabe in meinem Roman.

Kriminetz: Auf dem Cover deines Romanes ist ein Model mit einer ganz besonderen Ausstrahlung zu sehen. Wie hast du Sandra Selimović kennengelernt?

Daniel Carinsson: Danke, dass Du das Cover ansprichst. Das ist nämlich etwas ganz Besonderes für mich. Sandra ist Schauspielerin, Musikerin und Aktivistin. Sie hat in Österreich schon als Teenager in diversen Film- und TV-Produktionen gespielt und später im Wiener Burgtheater. Wer Wien und das dortige Kulturleben kennt, weiß, dass das eine Art Ritterschlag ist. Als Musikerin ist sie unter anderem Teil eines Rapper-Duos namens Mindj Panther, wobei Mindj im Romanes ein vulgärer Ausdruck für Vagina ist und Panther an die Black Panther-Bewegung erinnern soll. Man sieht schon, da spannt sich der Bogen zu meiner Protagonistin Aya.

Dabei habe ich Sandra tatsächlich erst kennengelernt, als ich mit dem Buch weitestgehend fertig und am Planen für das Cover war. Und dann führten mich zufällig gleich zwei Wege zu Sandra. Zunächst hatte ich nämlich für die Artwork des Buches eine sensationelle Fotografin und Grafikdesignerin entdeckt. Esra Rotthoff aus Berlin, die u.a. die Programmlinien des Berliner Gorkitheaters fotografiert und designt und die 2021 auf der Berliner Roma Biennale – ja, sowas gibt’s – als Featured Artist dabei war. Mit ihr hatte ich dann die gestalterische Idee für das Cover ausgearbeitet und sie hat Sandra, die sie eben von jener Roma Biennale kannte, als Model vorgeschlagen.

Am selben Tag, als wir vormittags besprochen hatten, wen wir als Model alles anfragen könnten – es sollte ja auf jeden Fall eine Romni sein – war ich am Abend auf dem E Bistarde-Festival in Wien, das von Sandras Schwester Simonida gegründet wurde und auf dem Sandra in einem Theaterstück die Hauptrolle spielte. Es war der Abschlussabend dieses Festivals, das mit einer Podiumsdiskussion zu Ende ging, bei der wiederum neben Simonida und Sandra meine langjährige Bekannte aus der Roma-Community, die Aktivistin Gilda Horvath auf dem Panel saß. Und Gilda hat mich dann direkt mit Sandra bekannt gemacht. Ich hab sie also gewissermaßen an einem Tag zweimal kennengelernt. Und drum musste sie dann einfach die Richtige sein.

Das Shooting zu dem Cover war dann nochmal spannend, bzw. fast schmerzhaft. Denn wir haben bei minus sechs Grad im Januar auf einer Dachterrasse in Wien fotografiert. Trotz dieser Kälte – Sandra hat zuweilen wirklich am ganzen Körper gezittert, bis wir zwischendurch immer wieder in das gemietete Apartment zum Aufwärmen gehen konnten – sind die Bilder sensationell geworden und es war extrem schwer, sich für eines für das Cover zu entscheiden.

Das viele positive Feedback dazu, dass wir bis jetzt schon bekommen haben, entschädigt aber für das frostige Leiden.

Was mich beim Cover auch sehr happy gemacht hat, ist, dass es Esra gelungen war, praktisch alle wichtigen Aspekte einzufangen ohne, dass das Bild überladen wirkt. Wer mag, kann ja mal schauen, ob er alles auf dem Coverbild entdeckt. Es findet sich dort neben der Anspielung auf „Naked“ und auf die Frage der Identität, die sich zuweilen unter Zwiebelschichten von „Kostümen“ verbirgt auch die Kultur der Roma, die Ukraine, die Femen und ein Ausflug nach Wien, der im Buch auch vorkommt.

Kriminetz: Nachdem du dich jahrelang im Vorstand des SYNDIKATs engagiert hast, bist du dort immer noch beratend tätig. Lässt dich das SYNDIKAT einfach nicht los?

Daniel Carinsson: Ja, das ist wohl so. Ich fühle mich in diesem Haufen von Krimiautor:innen einfach wirklich wohl. Das tolle an diesem Verein ist die immense Wertschätzung die dort alle einander entgegenbringen, und zwar egal, ob du Weltbeststellerautorin bist oder junger Debütant, jahrzehntelanger Routinier oder Nebenerwerbsautorin. Einen solchen gegenseitigen Respekt habe ich bislang kaum je woanders erlebt. Dazu noch dieses Anpacken-Moment, das wir gemeinsam immer wieder haben
.
Beispielsweise bei Corona, wenn ich diese Anekdote noch anbringen darf. Anfang 2020 hatten wir die CRIMINALE, unser jährliches Krimifestival nebst großer Verleihung der GLAUSER-Preise, praktisch fix fertig für Hannover vorbereitet. Und Mitte März, also rund vier Wochen vor dem geplanten Festivalbeginn, war dann Lockdown. Alles abgesagt.

Und dann haben rund zwei Dutzend von uns dezentral, in allen Ecken des deutschen Sprachraums sitzend, mit dem, was wir halt zur Verfügung hatten und was Lockdown-mäßig möglich war, eine 90-minütige Preisverleihungsgala-TV-Sendung für YouTube produziert, die sich wirklich sehen lassen konnte. (Wer Lust hat: hier klicken) Sowas ist einfach einmalig und da möchte ich auch weiterhin meinen Teil beitragen. Jetzt schon seit einigen Jahren als „Digital-Backup“ für alle Fragen rund um unseren Webauftritt und für die nach Corona praktisch obligat gewordenen Livestreams unserer gottseidank inzwischen wieder real stattfindenden Festivalgalas.

Kriminetz: Vielen Dank, Daniel Carinsson, für die Beantwortung der Fragen.

Daniel Carinsson: Sehr gerne. Ich danke auch.

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