Der Schriftsteller Oliver Kern wurde 1968 in Esslingen am Neckar geboren, wuchs im Bayerischen Wald auf und kehrte nach Abitur und Ausbildung wieder zurück ins Ländle. Seitdem ist er im Marketing tätig, vorwiegend als Art Director und Produktioner.
2007 veröffentlichte er seinen ersten Roman. Seit 2016 erscheint bei Heyne unter dem Pseudonym Luis Sellano seine Lissabon-Krimireihe. 2018 startete seine neue Krimiserie, die in Niederbayern spielt.
Oliver Kern ist Spiegel-Bestseller-Autor und war 2023 mit „Emma & Tartufo“ für den Glauser- Preis des Syndikats in der Sparte Kinderkrimi nominiert.
Kriminetz traf den Schriftsteller beim Festival des deutschen Films in Ludwigshafen, wo der Film „Fellinger – Eiskalter Hund“ gezeigt wurde.
Für Kriminetz hat Oliver Kern sieben Fragen beantwortet.
Kriminetz: Die Premiere von „Fellinger – Eiskalter Hund“ wurde beim Festival des deutschen Films in Ludwigshafen gezeigt. Inszeniert hat den Film Regisseur Ed Herzog. Michael Ostrowski brilliert in der Hauptrolle als Lebensmittelhygieniker. Bist du mit der filmischen Umsetzung deines Romanes zufrieden?
Oliver Kern: Die Produktionsfirma Producer at Work hat sich die Rechte für die Verfilmung meiner Fellinger-Reihe ja schon vor sechs Jahren gesichert. Seither gab es ein reges auf und ab, ich war allerdings immer im engen Austausch mit dem Verantwortlichen und durfte natürlich auch das Drehbuch lesen, bevor es losging. Natürlich wird bei Romanen, die gerade für Fernsehproduktionen, die auf ein 90-Minuten-Format adaptiert werden, immer was geändert und weggelassen. Dennoch war ich gleich versöhnt mir der Drehbuch-Umsetzung. Man muss hier den Filmfachleuten auch sein Vertrauen schenken, die wissen, wie ein Film im Vergleich zum Buch beim Zuseher funktioniert. Und die Premiere hat es letztlich auch gezeigt, meinem Empfinden nach, war das Publikum hellauf begeistert und fühlte sich bestens unterhalten.
Kriminetz: Passend zum Filmtitel überraschte das Wetter in der Kurpfalz zur Premiere mit ungewöhnlichen vorzeitigen herbstlichen Temperaturen. Konntest du trotzdem die ganz besondere Festival-Atmosphäre am Rhein genießen?
Oliver Kern: Ich war ja zum ersten Mal auf dem Ludwigshafener Filmfestival: Atmosphäre und Ambiente waren tatsächlich überraschend. Die Location auf der Parkinsel hat natürlich auch seinen Reiz. Aber die Veranstalter, das Personal und alles drum herum, haben schnell dafür gesorgt, dass ich mich sehr wohl gefühlt habe. Für mich war diese Filmpremiere ja auch nichts Alltägliches und all die Eindrücke und Begegnungen schwingen immer noch nach. Ich schwelge nach wie vor, wie man so schön sagt.
Kriminetz: Murmel Clausen schrieb das Drehbuch nach deiner Romanvorlage. Er ist bekannt für Filme mit schrägem Humor, so schrieb er neben vielen anderem beispielsweise mit Michael "Bully" Herbig, Rick Kavanian und Christian Tramitz "Die Bullyparade" und "Der Schuh des Manitu". Liegt ihr mit eurem Humor auf einer Wellenlänge?
Oliver Kern: Absolut. Ich kannte Murmel vorher nicht, war aber wie bereits erwähnt, sehr happy über die Drehbuch-Umsetzung. Und den Humor, den ich für sehr wichtig halte, gerade in den vermeintlich schwierigen Zeiten, die so mancher im Moment zu durchleben meint. Ich finde die Umsetzung bisweilen auch recht mutig, zumal heutzutage oftmals jedes Wort auf die die Waagschale gelegt wird. Dass dieser Film (wie ja auch der Roman) so freiheraus auch ohne fortwährende Political Correctness umgesetzt wurde, sehe ich auch als Statement, auch mal wieder locker zu werden und nicht immer alles so Bierernst zu nehmen.
Kriminetz: Was ist deiner Ansicht nach das Besondere am Bayerischen Wald? Etwa im Vergleich zum Schwarzwald?
Oliver Kern: Ich bin jetzt nicht der Schwarzwald-Spezialist, d. h., wenn ich hier jetzt behaupte, den Schwarzwälder fehlt es vielleicht etwas mehr an Humor als den Niederbayern, dann ist das eine reine subjektive Aussage meinerseits. Ich bin im Bayerischen Wald aufgewachsen und halte uns „Waidler“, wenn auch bisweilen hinter derben Fassaden versteckt, für sehr feinsinnige und liebenswerte Menschen. Und dementsprechend ist auch unser Humor, der durchaus von Auswärtigen auch nicht immer sofort verstanden wird. „Depp“ ist bei uns nicht zwingend ein Schimpfwort, je nach Betonung und Aussprache steckt darin manchmal auch eine Liebeserklärung.
Kriminetz: Was macht dir bei einem Buchprojekt am meisten Spaß? Ist es die Recherche, das Plotten, der Schreib-Flow oder die Überarbeitung des Manuskriptes?
Oliver Kern: Von allem etwas, würde ich sagen. Wobei das Schreiben, dass ja die meiste Zeit beansprucht, freilich auch mal zäh von sich gehen kann, je nachdem, was für eine Szene gerade dran ist. Für mich am schönsten ist vermutlich der Moment, in dem eine Idee – oder ggf. auch nur ein schneller Gedanke – plötzlich zu einer Geschichte wird, die sich schriftstellerisch umsetzen lässt. So gesehen noch die Vorstufe zum Plotten.
Kriminetz: Als Luis Sellano schreibst du ziemlich erfolgreich eine Krimireihe, die in Portugal handelt. Ich war im letzten Jahr in Lissabon und völlig überrascht sowie erfreut von der Dichte der Buchhandlungen. Nicht nur für Büchermenschen ist es ein Hochgenuss, durch die Stadt am Tejo zu schlendern. Verrätst du deinen Lieblingsplatz in Lissabon?
Oliver Kern: Das ist schwer. Ich habe ja für jeden meiner bislang 11 (Nr. 12 schreibe ich gerade) Lissabon-Krimis vor Ort recherchiert, weshalb ich die Stadt mittlerweile recht gut kenne und auch viele tolle Plätze dort entdeckt habe. Also nicht nur dunkle Ecken, wo man jemanden ermorden kann. Und mit jedem Besuch in Lissabon kommen neue Eindrücke hinzu. Ich besuche natürlich jedes Mal die Rua do Almada, in der sich im Roman das Antiquariat befindet. Wer sich dort an der kleinen Eckkneipe rechts hält, gelangt nach etwa 150 Meter zum Miradouro Santa Catarina. Dem Treiben dort auf der Aussichtsterrasse beizuwohnen, ist immer ein Erlebnis. Mein aktueller Favorit, was Restaurants angeht, ist das Ponto Final auf der anderen Tejoseite (Almada). Es gibt eine schnelle Fährverbindung über den Fluss und man kann beim Genießen der leckeren portugiesischen Küche direkt am Kai den Blick auf Lissabon genießen.
Kriminetz: Worauf darf sich deine Leserschaft als nächstes freuen?
Oliver Kern: Wie schon erwähnt, aktuell schreibe ich am 12. Lissabon-Krimi, der, so viel kann ich schon verraten, „Portugiesische Wiederkehr“ heißen und nächstes Jahr im April erscheinen wird. Davor, im März, kommt noch der 2. Band aus meiner neuen Reihe „Waidlerblues“, mit dem Titel „Die Milchmädchenabrechnung“, der wie auch der erste wieder im Bayerischen Wald spielt. Natürlich hoffe ich, dass der Fellinger-Film beim Verlag für den nötigen Push sorgt, dass auch diese Reihe fortgesetzt wird. Dafür liegen bereits zwei Ideen in der digitalen Schublade. Falls es jemand verpasst haben sollte, der Buchheimverlag hat meinen bislang einzigen Vampir-Roman „Chocolat Rouge“ in einer sagenhaften Vorzugsausgabe aufgelegt, die nicht nur mit tollen Illustrationen versehen ist, sondern sogar nach Schokolade duftet: chocolat-rouge.
Kriminetz: Vielen Dank, Oliver Kern, für die Beantwortung der sieben Fragen.
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