Sina Jorritsma im Interview zu »Friesenpassagier«

Ostfrieslandkrimi-Autorin Sina Jorritsma im Interview zu ihrem neuen Buch »Friesenpassagier«.

Ihr neuer Ostfrieslandkrimi »Friesenpassagier« ist erschienen. Worum geht es? 

Sina Jorritsma: Am Borkumer Südstrand wird die Leiche eines älteren Herrn angespült, der einen Smoking trägt. Bald ist klar, dass er sich an Bord eines vorbeifahrenden Schiffs befunden haben muss. Die Kommissare Mona Sander und Enno Moll nehmen die Ermittlungen auf. Kam der Mann durch einen Unfall ums Leben oder war es Mord? Im Inselhafen hat inzwischen eine Luxusyacht angelegt – sie wurde von dem Opfer gechartert. Hat ihn einer der anderen Passagiere auf dem Gewissen? Schnell stellt sich heraus, dass einige Mitreisende etwas zu verbergen haben ...

Das Mordopfer Rolf Kanther bezeichnete sich selbst als »Wohltäter der Menschheit«. Was rechtfertigt diese nicht ganz unbescheidene Bezeichnung, und wie erlangte Kanther sein Vermögen?

Sina Jorritsma: Der Millionär hat einfach nur geerbt; sein Vater war ein Geschäftsmann, der sein Kapital zu vermehren verstand. Rolf Kanther spendete in der Vergangenheit große Summen für Projekte, um Armen und Bedürftigen zu helfen. Da er das Geld nicht selbst erwirtschaften musste, fiel es ihm wahrscheinlich leicht, es auch wieder in Umlauf zu bringen. Aber sogar mit einer so mildtätigen Haltung macht man sich offenbar nicht nur Freunde.

Auf Borkum hatte der Millionär ja ganz besondere Pläne …

Sina Jorritsma: Oh ja – allzu viel will ich an dieser Stelle noch nicht verraten. Aber wenn sein Vorhaben in die Tat umgesetzt worden wäre, hätte die friedliche Nordseeinsel für immer ihr einprägsames Profil verloren. Manche Menschen wären buchstäblich zu allem bereit gewesen, um Kanther zu stoppen. Allerdings unterlag sein Projekt höchster Geheimhaltung. Wer wusste überhaupt davon?

Unter den Passagieren der Yacht gab es nur einen kleinen Kreis. Was fasziniert Sie daran, Verdächtige in eine Art »geschlossene Gesellschaft« zu setzen?

Sina Jorritsma: Damit folge ich der guten Tradition des britischen Landhauskrimis. Auch dort ist es ja meist eine überschaubare Gruppe, die an einem abgelegenen Ort – eben einem Landhaus, einem Schloss oder einer Burg – versammelt ist. Wenn sich dort ein Verbrechen ereignet, kann nur einer der Anwesenden der Täter sein. Das Rätselraten um den wahren Mörder hat seit den Zeiten von Agatha Christie nichts an Faszination eingebüßt. Und in meinem Ostfrieslandkrimi ist der Ort eben kein Landhaus, sondern eine Yacht auf hoher See.

Sie sind eine erfahrene und sehr erfolgreiche Autorin. – Gibt es einen Ratschlag, den Sie gerne früher in Ihrer Autorenkarriere bekommen hätten?

Sina Jorritsma: Ja, allerdings. Als Anfängerin habe ich mich von Schreibratgebern beeinflussen lassen, deren Verfasser nun wahrlich keine erfahrenen Romanschreiber gewesen sind. Ich möchte hier keine Namen nennen, aber diese schlechten Ratschläge haben mich gehemmt und zurückgeworfen. Heutzutage orientiere ich mich lieber an den Methoden von Dean Wesley Smith – ein amerikanischer Bestsellerautor, der in Deutschland leider noch fast unbekannt ist. Aber zum Glück habe ich ihn für mich entdeckt ;-)

Das Interview wurde geführt auf www.ostfrieslandkrimi.de.