Interview zu "Friesenzocker"
Ihr neuer Ostfrieslandkrimi mit den Kommissaren Mona Sander und Enno Moll auf Borkum heißt »Friesenzocker«. Worum geht es dabei und wer »verzockt« sich darin?
Sina Jorritsma: Kommissarin Mona Sander begegnet bei der morgendlichen privaten Hunderunde mit ihrer geliebten Dogge Rufus dem Gastwirt Heiner Lott, der offensichtlich betrunken und sauer auf Monas Ehemann ist – dem ebenfalls ein Lokal gehört. Jan hat sich nämlich geweigert, seinem Berufskollegen 10.000 Euro zu leihen – bar und ohne Quittung. Als die Ermittlerin der Sache nachgeht, schaltet Lott auf stur und wirft sie aus seiner Kneipe. Am nächsten Tag wird seine Leiche im Naturschutzgebiet gefunden. Hat Lott sich in Schwierigkeiten gebracht, die er mit dem Leben bezahlen musste? Wurden ihm die illegalen Spielautomaten in seinem Hinterzimmer zum Verhängnis? Die Borkumer Kommissare müssen in einem äußerst facettenreichen Fall ermitteln.
Die Inselkommissare werden in diesem Fall zunächst um Amtshilfe gebeten, wie kommt es dazu?
Sina Jorritsma: Der Zoll bekämpft gemeinsam mit der Polizei das illegale Glücksspiel, und Zollinspektor Grimm verfolgt seit Längerem eine Spur, die ihn schließlich nach Borkum führt. Tatsächlich entdeckt er gemeinsam mit Mona und Enno einige manipulierte Automaten in einem Kneipenhinterzimmer, gerät dann allerdings selbst in eine sehr brenzlige Situation. Und auch die Borkumer Kommissare müssen schnell feststellen, dass sie es mit einem skrupellosen Gegner zu tun haben.
Dreh- und Angelpunkt des ganzen Ostfrieslandkrimis ist der Wirt Heiner Lott. Was war er für ein Mensch?
Sina Jorritsma: Heiner Lott muss man sich als einen widersprüchlichen Charakter vorstellen. Einerseits hatte er keine Hemmungen, das Gesetz zu brechen und sich damit einen unfairen Vorteil gegenüber anderen Gastronomen zu verschaffen, die ehrlich bleiben wollen. Andererseits scheint er gegenüber seiner Ehefrau sehr nachgiebig gewesen zu sein, fast bis zur Selbstaufgabe. Die alte Binsenweisheit, dass Liebe blind macht, könnte auf ihn durchaus zutreffen. Hat er sich also sein Grab selbst geschaufelt? Diese Frage wird sich erst am Ende des Krimis beantworten lassen.
Glücksspielautomaten spielen eine wichtige Rolle, wobei ich dachte, dass sie nur mit Münzen betrieben werden. Es fällt auch auf, wie leicht anscheinend manipulierte Geräte aufzustellen sind, ohne dass jemand darauf aufmerksam wird. Können Sie den Lesern diese Thematik etwas erläutern?
Sina Jorritsma: Es gibt tatsächlich auch Glücksspielautomaten mit Einzugschächten für Banknoten, beispielsweise in den staatlichen niedersächsischen Spielcasinos. Aber diese Geräte sind mit Sicherungen versehen, um zu verhindern, dass Spieler dort allzu viel Geld »vernichten«. Außerdem kann sich ein süchtiger Zocker dort zu seiner eigenen Sicherheit sperren lassen, was in einem Hinterzimmer-Spielbetrieb natürlich weder möglich noch gewünscht ist. Ich bin durch eine Reportage auf das Thema gestoßen, bei der ein TV-Team eine Einheit aus Zoll und Polizei bei Razzien in illegalen Spielstätten begleitet – und das sind tatsächlich meist Hinterzimmer von Lokalen oder abgetrennte Räume in Freizeitklubs oder Ähnlichem. Ein Spielautomat, bei dem die vorgeschriebenen Sicherungen entfernt wurden, ist wie eine Lizenz zum Gelddrucken. Und dafür geht so mancher Schurke über Leichen.
Das Interview wurde geführt auf www.ostfrieslandkrimi.de.























