Die Dreharbeiten für den SWR-Tatort Stäffele, der, wie schon der Name verrät, in Stuttgart handelt, waren sicher sehr sportlich. Denn die „Bienzle-Staffel“, wie sie für den Film als Hommage umbenannt wurde, hat über 200 Stufen. Die Folgen mit Ernst Bienzle wurden mit Dietz-Werner Steck in der Hauptrolle 1992 bis 2007 gedreht, bis dann 2008 das Duo Lannert/Bootz für den SWR die Ermittlungen in der Landeshauptstadt übernahm. Richy Müller fährt in der Folge „Stäffele“ als Kommissar Thorsten Lannert nicht wie sonst seinen braunen Porsche, sondern läuft hoch und wieder runter, genauso wie Felix Klare als Kommissar Thorsten Lannert und auch die anderen der Crew.
Die Einstiegsszene gleicht einer perfekt inszenierten Gesellschaftssatire, bei der wohlsituierte Menschen in der weiträumigen Villa aus Sichtbeton und verglasten Wänden sowie drei Garagen einen Geburtstag feiern. Den Mittdreißigern ist klar, „mit 30 startet man durch, mit 40 ist der Zug abgefahren.“ Die Party wird mit Hilfe von Personal gestemmt, das bei einem Partyservice gebucht wurde und die sogar eine getrenne Zone für die Rauchpause haben. „Was machen Leute ohne Kinder in so einem Haus?“ „Im Badmüll liegt ein Schwangerschaftstest.“
„Heilandsack!“, flucht einer, als der Servierdame Selina (Irem Gökçen) die große Schüssel mit der blutroten Grütze aus der Hand gleitet und dieser Fleck den Mord vorwegnimmt. Denn am nächsten Morgen liegt ein Toter auf den Stäffele. Wie sich herausstellt, hat wohl jemand seine Allergie benutzt, um ihn zu töten. Er war allergisch auf Sellerie und hat einen anaphylaktischen Schock erlitten. Das Opfer „war der Einzige, der hier die Fische füttern durfte“, klärt Ronja Kienle (Nina Gummich) die Kommissare auf. Das Opfer und der Hausherr kannten sich seit ihrer gemeinsamen Schulzeit. Sie haben sich auf dieselbe nächsthöhere Position im global agierenden Großunternehmen, in dem sie Kollegen sind, intern beworben. Man macht nach außen hin auf solidarisch. „Eifersucht und Konkurrenz haben hier keinen Platz.“ Ein verbindendes Element ist die Zugehfrau, die bei allen für Sauberkeit sorgt und dabei mehr Einblicke erhält, als ihren Auftraggebern lieb ist.
Labyrinthisch arbeiten sich die beiden Kommissare durch das große Kaufhaus, in dem Studentin Selina einem ihrer Nebenjobs nachgeht, wobei die Ermittler einen langen Weg hin zu Selina zurücklegen müssen.
Am Ende besteht die den Zuschauenden angebotene Lösung des Falls in einer Art Gedankenspiel von Lennart und Bootz.
Zum Ensemble gehören neben Richy Müller und Felix Klare unter anderem Markus Gläser, Irem Gökçen, Nina Gummich, Nadine Dubois, Stefanie von Poser, Markus Michalik, Karoline Teska, Sema Poyraz, Philipp Oliver Baumgarten und Jürgen Hartmann. Dietrich Brüggemann ist Drehbuchautor, Regisseur und Musiker der TATORT-Folge „Stäffele“.
Der „Tatort – Stäffele“ ist eine Produktion des SWR für die ARD. Ausführender Produzent: Grischa Sautter. Kamera Michael Merkel, Schnitt Barbara Brückner, Szenenbild Urs Beuter, Kostüm: Juliana Maier, Besetzung: Ana Dávila, Produktionsleitung: Maike Bodanowski, Redaktion: Brigitte Dithard. Den Sound zum Film hat die SWR Big Band eingespielt.
Die Premiere des Films war am 25. August 2026 beim Festival des deutschen Films in Ludwigshafen am Rhein. Moderator Rüdiger Suchsland bat gemeinsam mit Moderatorin Julia Teichmann Regisseur Dietrich Brüggemann, Schauspieler Markus Gläser sowie die Schauspielerinnen Nina Gummich und Nadine Dubois, Redakteurin Brigitte Dithard, Produzent Grischa Sautter und Schauspieler Felix Klare zum Filmgespräch.
Julia Teichmann sprach die Treppen als ein Symbol der Standesunterschiede im Film an. Felix Klare sagte, es sei echt anstrengend gewesen, die vielen Treppen so oft zu laufen. Er erzählte davon, wie es für ihn ist, in Stuttgart zu sein, denn er verbinde mit der Stadt nur Positives. Redakteurin Brigitte Dithard schwärmt von den wunderbaren Dialogen von Dietrich Brüggemann. Schauspielerin Nina Gummich erzählte davon, dass sie sonst immer Dialoge umschreibt. Bei diesem Drehbuch merkte sie, das stimmt einfach.
Der Film ist für den Rheingold Publikumspreis nominiert. Das 22. Festival des deutschen Films in Ludwigshafen am Rhein findet bis zum 6. September 2026 statt. Das Gesamtprogramm ist hier zu finden: Festival des deutschen Films.




















