Die Stuttgarter Krimipreise 2021

Catrin George Ponciano wird für "Leiser Tod in Lissabon" mit dem Wittwer Thalia Debütkrimipreis ausgezeichnet. Foto: © Marion Louca

Die Stuttgarter Kriminächte finden, seit ihrer Gründung 2009, traditionsgemäß im März statt. Im Jahr 2020 mussten die 11.Stuttgarter Kriminächte pandemiebedingt ausfallen. 70 Prozent der abgesagten Veranstaltungen konnten aber im Herbst 2020 nachgeholt werden. Die 12. Stuttgarter Kriminächte wurden ebenfalls pandemiebedingt in den Herbst verschoben. Sie sollen nun vom 17. September bis 1.Oktober 2021 stattfinden. Die Stuttgarter Kriminächte vergeben alljährlich dotierte Krimipreise in 4 Kategorien.

Die Preise werden zum »Kriminellen Finale« am Ende der Veranstaltungsreihe am 1.10.21 übergeben werden. Die Preisgelder werden von Firmen und Insitutionen gestiftet. Den Hauptpreis für den besten Krimi stiftet die Hypovereinsbank. Sie erhöht heuer das Preisgeld von 3000.- auf 5000.- Euro.

Die Preisträgerinnen und Preisträger der Stuttgarter Krimipreise 2021:

HypoVereinsbank Hauptpreis
Frank Göhre »Verdammte Liebe Amsterdam«
Erschienen im Verlag Culturbooks
Dotiert mit 5000.- Euro

Ebner&Stolz Preis für den besten Wirtschaftskrimi
Wolf Harlander »42 Grad«
Erschienen im Rowohlt Verlag
Dotiert mit 1500.-

Wittwer Thalia Debütkrimipreis
Catrin George Ponciano »Leiser Tod in Lissabon«
Erschienen im Emons Verlag
Dotiert mit 1500.-

Heinrich Böll Stiftung Baden-Württemberg für den besten Politkrimipreis
Zoë Beck "Paradise City«
Erschienen im Suhrkamp Verlag
Dotiert mit 1500.-

Stimmen der Jury:

HypoVereinsbank Hauptpreis
Frank Göhre »Verdammte Liebe Amsterdam«
Frank Göhre gelingt es mit wenigen aber starken Worten ein packendes Roadmovie mit Noir-Atmosphäre zu erschaffen. Wir folgen seinen rauhen Charakteren in den Familienhorror ungleicher Brüder, Eifersuchtsszenarien und Kiezkriege. Göhre deckt Abgründe auf, schaut hinter die Kulissen und das mit konzentrierter Sprache und erbarmungslosem Blick. Göhre schafft es die Leser ganz in die Situation zu holen auf einer dichten Reise in die Vergangenheit und Gegenwart. Die Leser bleiben Schulter an Schulter mit den Protagonisten. Souveräne Kriminalliteratur! Was für ein Comeback!

Frank Göhre, geboren 1943, aufgewachsen im Ruhrgebiet, lebt in Hamburg. Gleich sein erster Krimi, »Der Schrei des Schmetterlings« (1986) – Auftakt der inzwischen legendären »Kiez Trilogie« -, wurde mit dem Deutschen Krimi Preis ausgezeichnet, ebenso wie sein Roman »Der Auserwählte« von 2010. Frank Göhre gab das Gesamtwerk des Schweizer Autors Friedrich Glauser neu heraus und schrieb seinen Lebensroman »Mo«. Gemeinsam mit Alf Mayer veröffentlichte er Bücher über Ed McBain und Elmore Leonard. Zu seinen Drehbucharbeiten zählen »Abwärts« und »St. Pauli Nacht« (Deutscher Drehbuchpreis, verfilmt von Sönke Wortmann).

Ebner&Stolz Preis für den besten Wirtschaftskrimi
Wolf Harlander »42 Grad«
- An heiße Sommer haben wir uns gewöhnt, was passiert aber, wenn das Wasser knapp wird? Wolf Harlander erzählt realistisch, spannend und detailreich.

- Wolf Harlander erzählt packend und nachdenklich stimmend von der zunehmenden Erderwärmung und deren Folgen.

- Ein wichtiges Buch! Der Klimawandel ist näher als wir denken! Wolf Harlander macht uns bewusst, was es heißt, wenn das Wasser knapp wird. Er schildert die Panik, die ausbrechen könnte, wenn die Flüsse und Seen austrocknen und sich die Wasserspeicher leeren. Mit spannenden Figuren und an unterschiedlichen Schauplätzen erleben wir, was es auslösen könnte, kein Wasser mehr zu haben. Ein erschreckendes Szenario, packend erzählt. Das lässt nicht kalt – wir schwitzen mit.

Wolf Harlander, geboren 1958 in Nürnberg, studierte Journalistik, Politik und Volkswirtschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Nach einem Volontariat bei einer Tageszeitung und der Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule arbeitete er für Tageszeitungen, Radio, Fernsehen und als Redakteur der Wirtschaftsmagazine Capital und Wirtschaftswoche. Er lebt heute als Autor in München.

Wittwer Thalia Debütkrimipreis
Catrin George Ponciano »Leiser Tod in Lissabon«
»Leiser Tod in Lissabon« ist kein Regionalkrimi und doch erfahren wir viel über Lissabon und seine Bewohner*innen und ihre Gewohnheiten. George-Ponciano erzählt atmosphärisch dicht mit grosser Kenntnis Portugals und der Historie dieses Landes. Wir dürfen eintauchen in die Zeit der Nelkenrevolution und deren verborgenen mafiösen Netzwerkstrukturen, die bis heute andauern.Mit Dora Monteiro erfindet George-Ponciano eine Ermittlerin, kantig, skurril und stark, mit der man gerne weitere Fälle lösen möchte. Ein sehr gelungenes Debüt!

Catrin George Ponciano, geboren 1967 in Bielefeld, lebt seit zwanzig Jahren an der Algarve in Portugal. Die Autorin veröffentlicht Reiseführer und Reportagen über ihre Wahlheimat, unter anderem »111 Orte an der Algarve die man gesehen haben muss« aus der Emons Verlagsreihe 111 Orte. »Leiser Tod in Lissabon« ist ihr Debüt als Krimi-Autorin. Als Reiseleiterin entführt George Ponciano ihre Gäste in die mystisch-magische Welt Portugals und bringt Reisenden die Geschichte des Landes und die Seele der Portugiesen nahe.

Zu den sieben Fragen von Kriminetz an Catrin George Ponciano hier klicken

Heinrich Böll Stiftung Baden-Württemberg für den besten Politkrimipreis
Zoe Beck »Paradise City«
Dystopie Deutschland. Irgendwann in der näheren Zukunft ist das Land fast entvölkert, regiert wird aus der Megacity im Rhein-Main–Gebiet. Das Leben wird weitgehend von Algorithmen gesteuert. Hier lebt und arbeitet Liina, Rechercheurin für eines der letzten nichtstaatlichen Nachrichtenportale abseits der systemtreuen »Wahrheitspresse«.

Statt zu der brisanten Story, die sie eigentlich übernehmen sollte, schickt man sie zu einer banalen Sache in die Uckermark. Doch dann häufen sich die Todesfälle bei denen, die mit der ursprünglichen Geschichte zu tun hatten. Zufall? Nein, natürlich nicht. Ihre eigenen Ermittlungen bringen Liina auf die Spuren eines Komplottes, das nicht nur ihr Leben bedroht.

»Paradise City« funktioniert nicht nur als hochklassiger Thriller – allein deshalb ist er in der deutschen Krimilandschaft schon bemerkenswert. Der Roman ist auch eine düstere, faktengetriebene Vision der Zukunft, die uns alle möglicherweise erwartet. Dieses dystopische Bild in aller Akribie und Konsequenz zu entwerfen, das gelingt Zoe Beck in einer einzigartigen Qualität. Und dadurch wird das Gesamtpaket absolut preiswürdig – als bester politischer Krimi des Jahres.

Zoë Beck, geboren 1975, schreibt, übersetzt und leitet zusammen mit Jan Karsten CulturBooks Verlag. Studium der englischen und deutschen Literatur u.a. in Gießen, Bonn und Durham. Creative Producerin für internationale Fernsehfilmproduktionen bei KirchMedia. Redaktion für Synchronproduktionen (Disney Channel), anschließend bis heute als Dialogbuchautorin und Dialogregisseurin tätig. Seit 2004 freiberufliche Schriftstellerin und literarische Übersetzerin.

Jury der Stuttgarter Krimipreise
Dr. Susanne Eisenmann (Ministerin für Kultus, Jugend und Sport)
Tobias Gohlis (Kolumnist Die Zeit / Sprecher und Gründer der KrimiZeit-Bestenliste)
Ulrike Heitmüller (Journalistin, Politikwissenschaftlerin, Theologin)
Beate Hiller (Buch im Süden)
Reinhard Jahn (Bochumer Krimi Archiv)
Günter Keil (Journalist, Kritiker, Moderator)
Susanne Martin (ehemals Schiller Buchhandlung, Stuttgart)
Dr. Rainer Moritz (Literaturhaus Hamburg)
Dr. Wolfgang Niess (Kulturjournalist, Stuttgart)
Michaela Pelz (www.krimi-forum.de)
Barbara Scholz (Buchhandlung Karl Krämer, Stuttgart)
Margarete von Schwarzkopf (früher NDR, Moderatorin)
Thomas Wörtche (Literaturkritiker und Herausgeber)