Wer illegal in einem Land lebt, macht sich am besten unsichtbar. Kodjo (Bless Amada) aus Togo lebt in Wien, sein Antrag auf Asyl ist bereits abgelehnt. Er haust in einer eher als Verschlag zu bezeichnenden Unterkunft, dessen überzogene Miete der Vermieter schwarz einstreicht. Kodjo beobachtet die Attacke auf eine Nachbarin und will ihr zu Hilfe eilen. Doch sie ist bereits tot und er hat jetzt sprichwörtlich ihr Blut an seinen Händen. Eine hämische alte Frau beobachtet ihn, wie er wegläuft und beschuldigt ihn zu Unrecht bei der Polizei, die ihn von jetzt an des Mordes verdächtigt.
Kodjo tauch bei seiner Freundin unter, gespielt von Adina Vetter. Die glaubt ihm zunächst, lässt ihn dann aber nach einem Gespräch mit ihrer Freundin doch in die Falle laufen. Aber Kodjo ist intelligent, taucht unter und ermittelt auf eigene Faust. Er hat den tatsächlichen Mörder gesehen und sucht ihn nun. Der sitzt, schon dank seines Berufes, der hier nicht verraten wird, am längeren Hebel. Heino Ferch spielt den entgrenzten harten Typen, der eh schon alles hat und halt zusätzlich zum Familienglück mit Karrierefrau und Kind auch noch eine Geliebte (Judith Bohler) haben musste. Vielleicht auch nur deshalb, weil es in seinem Bild von sich selbst einfach dazugehört. Dass die Geliebte Forderungen stellt passt nicht dazu. Robert Stadlober agiert als Polizist Bittner, der sich nach und nach von seinen Vorurteilen löst und seine Rolle als Bad Cop sukzessiv aufbricht.
Dieser Film spielt auf wunderbare Weise mit Klischees. Denn die Klischees, die man zu erkennen glaubt, werden gebrochen und halten nicht stand. Und genau das ist es, was den Reiz dieses Filmes zusätzlich zu seinem politischen Hintergrund und Realismus ausmacht. Eingebettet in schöne Bilder von Wien zeigt sich der Kontrast einer saturierten Gesellschaft auf der einen Seite im Gegensatz zu den Menschen auf der anderen Seite, die in einer Parallelwelt leben. Der Graben zwischen beiden ist unüberbrückbar, obwohl es helfende Hände wie die von Marie (eine tolle Rolle für Antonia Moretti) gibt, die gereicht werden. Marie, deren Mann vor drei Jahren spurlos verschwand, betreibt das Restaurant Hibiskus. Kommt die Polizei, verschwinden die illegalen Arbeitskräfte mittels eines ausgeklügelten Systems in einem Versteck.
„Der unsichtbare Zeuge“ ist die filmische Adaption des Romanes „Illegal“ von Max Annas. Das Drehbuch schrieb Peter Kocyla. Für den Film wurde die Handlung von Berlin nach Wien verlegt. Die Stadt wirkt als Handlungsort absolut plausibel. Der Beruf des tatsächlichen Mörders wurde aus Spannungsgründen geändert, und, wie es beim Filmgespräch hieß, ebenso der Schluss. Entstanden ist ein gleichfalls kluger wie unterhaltsamer Film, in dem es spannungsreich knistert. Den Schauspielenden zuzusehen ist pures Vergnügen. Am Ende kommt es zum Showdown in der protzigen Villa aus Beton und viel Glas des Antagonisten. Das kühl durchgestylte Haus mit seinen großen Räumen kann als Sinnbild für die innere Kälte gelten, die der Mann seinen Mitmenschen gegenüber an den Tag legt.
Nicht nur für die schönen Bilder von Wien (mit hohem Wiedererkennungswert für Gäste der Stadt) sorgte Ian Blumers. Schnitt: Nathalie Pürzer. Der Film ist eine Gemeinschaftsproduktion der ARD Degeto und des ORF.
Wolfgang Esser moderierte das Gespräch zum Film. Dazu nahmen auf der Bühne Platz: Regisseur Alexander Dierbach, Schauspieler Bless Amada, der wie seine Filmfigur Togolese ist, Schauspielerin Adina Vetter, die im Film seine Freundin spielt. Sebastian Lückel arbeitet für die Degeto Film GmbH, Jana Kaun ist Produzentin.
Moderator Esser sagt zur Begrüßung, dass er nur Gespräche zu Filmen moderieren möchte, die er selbst gerne produziert hätte. Regisseur Alexander Dierbach spricht vom doppelten Boden des Filmes und einer großen Tiefe. Für den Film habe er eine Musik gewollt (von Karwan Marouf), die nah an einem Sounddesign ist. Schnitt, Bild, Sprache, alles zusammen muss einen Rhythmus bilden. Jana Kaun erzählt, für den Autor der Romanvorlage, Max Annas, sei es okay, dass der Beruf des Antagonisten aus dramaturgischen Gründen geändert wurde. Sebastian Lück spricht von einem Thriller mit politischem Hintergrund, der aber auch unterhaltsam sein sollte.
Als Hauptdarsteller Bless Amada den Anruf seiner Agentin mit der Zusage der Rolle erhielt, habe er sich sehr gefreut. Auch Adina Vetter, die wie ihr Kollege einige Jahre am berühmten Wiener Burgtheater spielte, hat gerne für diese Rolle zugesagt. Auf dem Festival sah sie den Film zum ersten Mal und war sehr berührt von der Liebe dieser Frau, die erst dann zu zweifeln beginnt, als das von außen an sie herangetragen wird. Adina Vetter war auch eine der „Vorstadtweiber“ in der gleichnamigen spritzigen österreichischen Serie. Bless Amada findet den Schluss im Film gut, da er die Wahrheit abbildet. Man fragt sich, wo bleibt die Gerechtigkeit?
Der Film ist für den Rheingold Publikumspreis nominiert. „Der unsichtbare Zeuge“ wird beim Festival des deutschen Films nochmals am2. Und am 3. September gezeigt. Das 22. Festival des deutschen Films in Ludwigshafen am Rhein findet bis zum 6. September 2026 statt. Das Gesamtprogramm ist hier zu finden: Festival des deutschen Films.





















