Wem Ehre gebührt: 4 Fragen an Krimiautor Rainer Kottke

Rainer Kottke - Krimiautor (Wem Ehre gebührt)

Eineinhalb Jahre nach seinem Debüt hat der ostfriesische Autor Rainer Kottke seinen zweiten Roman veröffentlicht. "Wem Ehre gebührt" bietet auf 248 Seiten Hochspannung - abgerundet mit einem Schuss trockenen Humors. Die ersten Leserstimmen sind begeistert: "Regiokrimi mit echten Typen", "eine Story voller Wendungen mit einem überraschenden Ende", "eine klare Leseempfehlung". Ignacio Mendez, der den Literatur-Blog "Leseratten" auf Facebook betreibt, hat den Autor interviewt.

Lieber Rainer, mit "Wem Ehre gebührt" hast Du bereits Dein zweites Buch im reinen Selfpublishing veröffentlicht. Welche Erfahrungen hast Du mit Verlagen gesammelt und was motiviert Dich trotzdem ständig am Ball zu bleiben?

Wirkliche Erfahrungen mit Verlagen macht man ja erst dann, wenn man sich vertraglich an einen bindet. Ich habe Verlage bisher nur als ein Bollwerk kennengelernt. Da gibt es wenig oder gar keine Resonanz, wenn man sich mit einem Text vorstellt. Der eine Autor verkraftet drei Absagen, der andere dreißig. Schließlich kommt der Moment, an dem man sich frustriert einen Sack über den Kopf ziehen möchte. Früher war das tatsächlich das Ende der Geschichte. Heute gibt es zum Glück den preiswerten Print-on-Demand-Buchdruck und das noch günstigere E-Book. Ausnahmslos jeder kann heute als Selfpublisher seine Leserschaft finden, sei sie zahlenmäßig noch so klein. Es gibt ein potentielles Publikum, und ich habe die Chance, ein Feedback zu meiner Arbeit (und Leidenschaft) zu erhalten. Das motiviert und treibt mich und vermutlich die meisten Autoren an.

Denkst Du, junge Autoren haben es heute schwerer und, wenn ja, warum?

Ja und nein. Ich glaube, es wird für die meisten Verlage immer wichtiger, sich qualitativ oberhalb des Selfpublisher-Mainstreams zu positionieren. Man kann darum befürchten, dass deren Förderung neuer Autoren, was Verlage ja auch leisten, zurückgefahren wird. Auf der anderen Seite bietet das Selfpublishing unerfahrenen Autoren die Möglichkeit, sich völlig frei auszuprobieren. Über die Motivation haben wir gerade schon gesprochen. Noch wichtiger erscheint mir, wie du sagst, am Ball zu bleiben, und dadurch bei jedem neuen Werk vielleicht qualitativ noch eine Schippe draufzulegen. Ich stehe da selber noch am Anfang. Frag mich am besten in ein paar Jahren noch mal.

Dein Krimi verzichtet auf besonders drastische Gewaltszenen. Du schaffst es, Spannung aufrechtzuerhalten, ohne dabei auf den "brutalo-Faktor" zurückgreifen zu müssen. Weshalb ist Dir dieser Aspekt so wichtig? Hast Du selber Gewalterlebnisse erfahren müssen und wie gehst Du persönlich damit um?

Nein, ich hab keine nennenswerten Gewalterlebnisse gemacht. Es ist auch nicht so, dass ich keine Gewalt in meinen Büchern darstelle. Ich versuche aber einen Bogen darum zu machen, Gewalt in einer Aneinanderreihung von Floskeln mit Bart zu beschreiben. Es nervt mich, wenn ich schon im Klappentext auf Standardformulierungen wie »übel zugerichtet« oder »brutal misshandelt« stoße. Am besten noch in Verbindung mit entfernten Körperteilen. Das spricht mich überhaupt nicht an. Spannender als das Gemetzel oder der Zustand der Leiche nach dem Gemetzel ist doch die Frage, welche Lebenswege haben zwei Menschen an einen Punkt gebracht, an dem der eine zum Täter und der andere zum Opfer wird. Den Charakter eines Psychopathen zu entlarven, indem man seine Handlungen beschreibt, finde ich spannender, als vorab plump zu erklären, in der Geschichte dreht es sich um einen Psycho, der immer freitags bestialisch drei Blondinen niedermacht. Ansonsten mag ich plakative Gewaltdarstellungen schon, wenn es sich um Parodien handelt, wie z. B. in den meisten Verfilmungen von Superhelden-Comics."

Neben dem Schreiben zählt die Musik zu Deiner großen Leidenschaft. Bitte berichte uns darüber, welchen Stellenwert Musik in Deinem Leben hat, und wie Du Deiner Leidenschaft nachgehst.

Ich spiele seit dreißig Jahren Gitarre und als Nordlicht ist mir auch die Handharmonika nicht fremd (so ein kleines volkstümliches Akkordeon). Seit fast 20 Jahren bin ich Inhaber eines Musikinstrumente-Ladens.

Jo, der Detektiv in meinen Krimis, ist Bluesmusiker. Für Gitarristen ist der Blues eine äußerst dankbare Stilrichtung, weil ein Großteil der Musik spontan improvisiert wird. Das kann sehr emotional sein.
Ich habe mir schon vor längerer Zeit gedacht, es wäre toll mit einem Mix aus live gespieltem Blues und Krimi-Lesung aufzutreten. Zusammen mit einem Freund entsteht derzeit genau so ein Programm. Man kann uns schon jetzt über www.kottke.info buchen.

Gekürzte Fassung, Originalbeitrag in: "Bücherklatsch" im Literatur-Blog "Leseratten" von Ignacio Mendez auf Facebook.

Image of Wem Ehre gebührt: Kriminalroman (Jo Blueskohl 2)